Wie man in Ofenhessen mit Phantomregen fertig wird

1
120
Wie man in Ofenhessen mit der Dürre fertig wird? Gar nicht.
Wie man in Ofenhessen mit der Dürre fertig wird? Gar nicht.

Ofenhessen: Die Region in Rhein-Main in Südhessen ist deutschlandweit aufgrund geomorphologischer Besonderheiten (Oberrheingraben) die erste Zieladresse bei den Folgen der globalen Treibhausgasapokalypse.
Nicht nur die in Deutschland einmalig hohe Hitze, sondern auch die fehlenden Niederschläge sorgen allmählich für Verzweiflung bei den liebenswerten Hessen.

Regenrituale als Lösung?

Doch wie geht man damit um, wenn angekündigte Niederschläge im Treibhausgashalbjahr (April – September) ausbleiben und selbst mitten in einer Gewitterfront sich immer eine Schneise öffnet, die Ofenhessen ausspart, während im Laufe der Zeit jede andere Region in Deutschland das köstliche Nass bejubeln darf?

Das Goldene Kalb hessischer Traditionen: <a target="_blank" href="https://amzn.to/2sR6J3M">Bembel*</a> mit Äppelwoi (Apfelwein). © <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Apfelwein_Geripptes_Bembel.jpg"> Eva K. auf de.wikipedia.org</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/deed.de">CC BY-SA 2.5</a>.
Das Goldene Kalb hessischer Traditionen: Bembel* mit Äppelwoi (Apfelwein). © Eva K. auf de.wikipedia.org, Lizenz: CC BY-SA 2.5.

Ein Blick in die Völkerkunde hilft: Regenrituale entwickeln sich in genuin trockenen Regionen nämlich ganz automatisch. In Ecuador beispielsweise, dank der Anden eines der trockensten Gebiete der Welt, holen Schamanen vom Titicacasee symbolisch Wasser und teilen es mit den Angehörigen des Stammes.

Nun hat man auch in Ofenhessen ähnliches gesehen, nämlich Heinz-Schenk-Gedächtnistrachtengruppen, die sich Bembel* schlagend in Richtung des Regenerlöserlandes Bayern aufmachten, dem Land des Stauregens an den Alpen. Begrüßt wurden sie von schenkelklopfenden Bajuwarentrachtengruppen, was in eine surreale Fremdschämorgie skurriler Tänze ausartete, bis sich schließlich die Ofenhessen mit Wasser gefüllten Bembeln zurück gen hessischer Wüstenei aufmachten, um ihren Stammesangehörigen von den Regenwundern im Bajuwarenland zu berichten und symbolisch den Bembelinhalt unter (kostbar verschwendeten) Tränen zu teilen.

Die 3 psychologischen Techniken zur Verarbeitung der Dürrequalen

Der vertrocknende Ottonormalhesse hingegen ist relativ allein gelassen zwischen den Mitleidsbekundungen anderer Bundesländer und den apokalyptischen Nachrichten des DWD. Angewiesen auf seine eigene Weisheit, bleiben zumeist nur drei psychologische Verarbeitungstechniken.

1. Ausbrennen der Verzweiflung

Der 54. Tag ohne Regen. Der Morgen beginnt mit unfreiwilligem Morgensport, indem man am Fenster verzweiflungsheulend in die Knie geht. Beschienen von der unerbittlich brennenden Wüstensonne rafft man sich mit einem Klimmzug am Fenstersims wieder nach oben.

Der Blick in den morgendlichen Modelllauf kann in Ofenhessen ein wenig deprimierend sein. © <a target="_blank" href="http://www.shutterstock.com">Shutterstock.com</a>.
Der Blick in den morgendlichen Modelllauf kann in Ofenhessen ein wenig deprimierend sein. © Shutterstock.com.

Statt sich irgendeine illusorische Hoffnung auf Regen einzureden, stürzt man sich in seine Verzweiflung und rennt zunächst laut brüllend einige Runden in der Wohnung herum, bis die Erschöpfung die Verzweiflung überwiegt. Das Zähneputzen im bewusst schmerzhaften gehaltenen, gelben Sofetenbecher mit grinsender Sonne* und Kokoszahncreme ermöglicht Phase 2 des unfreiwilligen Sportprogramms, nachdem man den Becher unter Einsatz seiner schwindenden Muskelkraft zerquetscht hat.

Der wahre Kaltwetterheld widersteht nun nicht dem Drang, die frischen GFS-Ensembles oder eine bunte Modellvielfalt bei Kachelmannwetter zu ignorieren, sondern sieht sie sich noch vor dem Morgenkaffee an. Gleichsam mit dem Blick auf schwärend blähende Temperaturkurven jenseits aller Normalität und auf die Deadline des Niederschlags erfolgt der Kopfschlag auf die Tastatur und die nächste Etappe des Morgentrainings.

Wenn man dann abends nach einem solchen Tag vor körperlicher und mentaler Erschöpfung in die Kissen sinkt, fühlt man sich endlich leer und ausgebrannt und frei von Verzweiflung – für die Dauer der Nachtstunden, bevor das Hamsterrad aus Dürreverzweiflung und Verzweiflungswut am Morgen neu beginnt.
Mittlerweile hat sich daraus in der Klimapsychologie sogar eine Aggressionstherapieform entwickelt.

2. Wahnwitziger Optimismus

So ergeht es jedem Hamsterrad-Optimisten, wenn die Wahrheiten der Realität unvermeidlich und unerbittlich die verzerrenden Illusionen zusammenbrechen lassen.
So ergeht es jedem Hamsterrad-Optimisten, wenn die Wahrheiten der Realität unvermeidlich und unerbittlich die verzerrenden Illusionen zusammenbrechen lassen.

Es soll Leute geben, die ungeachtet der harten Realität im Zuckerwatteschloss aus selbstgebauten Illusionen hausen. Im weinerlichen Stil eines schwulen Prinzen hauchen sie ständig „Warum seid ihr nur so pessimistisch?“ und weisen im der Logik eines Drogensüchtigen darauf hin, dass es beim nächsten GFS-Lauf besser sein wird. Wird es natürlich nicht. Aber dann kehrt man einfach zum Ausgangspunkt des ewigen Optimismuskreises zurück wie ein Hund zum Erbrochenen.

Gibt es dann tatsächlich einmal 10 Tropfen Regen in 100 Tagen, wird dieser Moment als ultimativer Beleg dafür genommen, dass der Optimist doch immer recht hatte und haben wird. Von Däniken und andere zum Schreien dämliche Esoteriker wären stolz.

3. Ignorieren des Dürregrauens

Der philosophische Ignorant hat seinen zerebralen Kortex durchtrainiert wie Arnold Schwarzenegger einst seine Muskeln* – mit nur einem Ziel: Die monatelangen Dürren und den fehlenden Regen, die grelle Dauersonne und Hitze zu ignorieren, als seien sie gar nicht vorhanden.

Die Welt ändert sich in Ofenhessen

Mittlerweile besuchen Völkerkundler ofenhessische Einheimische, um für die Zukunft in der als „Klimawandel“ verharmlosten klimatischen Globalkatastrophe gerüstet zu sein.
Denn der kundige Hesse stellt mittlerweile seinen Bembel in der Nacht in den Garten und bezeugt damit seine meteorologische Kenntnis des Taupunktes. Jeder (Tau-)Tropfen zählt, wenn der Äppelwoi schon lange aus den Regalen deyhdriert worden ist.
Wenn man Pech hat, dann hat sich das Schicksal jedoch gegen einen verschworen und der anfängliche Jubelschrei über 100 ml Wasser im Bembel am Morgen weicht nach dem ersten Schluck dem Entsetzen im Gaumen und der blitzartig einsetzenden Erkenntnis, dass man die Hunde zum Wasser lassen in den Garten geschickt hat, ohne vorher den Bembel vom Rasen zu entfernen …

Mittlerweile sichtet man ganze Bembelplantagen um hessische Grundstücke, die mit der Hitze des anbrechenden Morgens gleich Keramikblumen aus dem Boden zu wachsen scheinen, bevor man sie zum Abernten der Tautropfen ins Haus holt.

Nebeneffekte: Verkaufsoptimierung und Mehreinnahmen bei der Automobilindustrie

Alle grausamen Dinge haben jedoch zumeist auch einige wenige positive Nebeneffekte und die betreffen die Automobilindustrie, ist im Kernschmelzzentrum Ofenhessens, in Rüsselsheim, bekanntlich der Autobauer Opel ansässig.

Bald nur noch als Zusatzausstattung in Ofenhessen erhältlich: Scheibenwischer am Auto, praktisch auch bei Pollenstürmen und Saharastaub.
Bald nur noch als Zusatzausstattung in Ofenhessen erhältlich: Scheibenwischer am Auto, praktisch auch bei Pollenstürmen und Saharastaub.

Die dortigen PKWs werden ab sofort serienmäßig ohne Scheibenwischer ausgeliefert. Diese Sonderausstattung wird in dieser Dürreregion künftig natürlich nicht mehr benötigt.
Die Automobilindustrie spart auf diese Weise Millionen ein bzw. zieht den Verbraucher dabei über den Tisch. Denn der Scheibenwischer wird natürlich nach wie vor benötigt, um die Unmengen Saharastaub aus der Atmosphäre und den Staub erodierten Bodens in der Troposphäre von der Windschutzscheibe zu entfernen. Allerdings ist dies nun Bestandteil des „Wüsten-Sonderpakets“ und damit kostenpflichtig.

Die Automobilindustrie reagiert mit weiteren Maßnahmen auf die ofenhessischen Bedürfnisse. Immer mehr Menschen kommen auf die grandiose Idee, in der Brüllhitzesaison von April bis September sich nachts in das laufende Auto zu setzen, wenn man einfach nicht mehr erträgt, wie ein imaginärer Hitzegott mit Flammenkeulen auf einen eindrischt.

Motor an, Klimaanlage aufdrehen und dann folgen brünftige Stöhnorgien. Nachbarn winken sich in den Autos zu, bevor sie ihr Gesicht auf die Lüftungsgitter der Klimaanlage pressen. Um unerwünschte Gesichtstattoos in Form der Lüftungsgitter zu vermeiden, werden nun die Klimaanlagen aller PKWs in Ofenhessen mit weichen Silikonlamellen ausgestattet. Außerdem wird der Schallschutz verstärkt, damit die Kaltluft-Stöhnorgien nicht Sofeten stören, die in ihrer Dachgeschosswohnung bratschlafen.

Evolution im Zeitraffer? Die Ofenhessen verändern sich

Die Veränderungen in Ofenhessen sollen bereits aufgrund der rasanten Entwicklung im durchdrehenden Klima* evolutionäre Folgen zeitigen, werden einige Biologen zitiert.

Nach dem Zufallsprinzip erfolgte Untersuchungen scheinen den Eindruck nahezulegen, dass die ofenhessische Bevölkerung physiologische Veränderungen erfährt. So verschließen sich Hautporen, sobald Signalwörter wie „Schönwetterfront“, „Traumwetter“ oder „Sonne* satt“ von den Hitze bejubelnden Sommerfetischisten (Sofeten), die ja bekanntlich einer anderen Spezies angehören, geäußert werden. Dann verschließen sich die Körperporen, um die überlebenswichtige Flüssigkeit zu sparen.

Sofetische Sommerliegewiese im <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hitzewellen_in_Europa_2015">Todessommer 2015</a>, die vielen Normalmenschen das Leben rettete, während Sofeten tragischer- und sonnenbadenderweise das Zeitliche segneten.
Sofetische Sommerliegewiese im Todessommer 2015, die als kanariengleiche Signalwirkung vielen Normalmenschen das Leben rettete, während Sofeten tragischer- und sonnenbadenderweise das Zeitliche segneten.

Die Geschwindigkeit der körperlichen Reaktionen überrascht die Biologen. Es erweckt den Eindruck, dass dieses Verhalten zunächst ankonditioniert wird und sich danach auch genetisch verankert und weiterentwickelt. In den nächsten Jahren könnte es zu einer Symbiose des Homo sapiens und des Homo sofensis in Ofenhessen geben, wobei dem Homo sofensis die Rolle eines Kanarienvogels im Bergwerk zukommt, der bekanntlich vor Gasen als Vorstufe zu einer lebensbedrohlichen Explosion warnt, indem er an den Gasen erstickt. Da der Sofet aufgrund einer hitzebedingten Rückentwicklung des Gehirns sich derart bereitwillig unter dem seltsam dämlichen Schlachtruf „Hitze hat es schon immer gegeben“ in den Hitzetod stürzt, warnt er gleichzeitig die intelligente Bevölkerung effektiv vor den lebensgefährlichen Umweltbedingungen die es zum letzten Mal in dieser Form zu Zeiten der Dinosaurier gegeben hat, sodass eine Flucht in klimatisierte Überlebensräume erfolgen kann.

Bewohner anderer Regionen Deutschlands organisieren bereits Fortbildungsreisen nach Ofenhessen, um ihre eigene Lebenswirklichkeit in einigen Jahren zu begreifen, wenn die Auswirkungen des Klimawandels auch ihre Regionen erfassen werden.
Begrüßt werden sie stets von Bembelkeramiken und verdorrten Einheimischen die sie als Regengötter anbeten. Allerdings muten die Forschungsreisenden in ihren keramikbasierten Hitzeschutzanzügen auch ein wenig fremdartig an.

Rechtlicher Hinweis zum Titelbild: Das Selbstmordthema dient lediglich als Metapher, um  schädelsägend zu verdeutlichen, wie man in Ofenhessen mit Phantomregen fertig wird, nämlich gar nicht.
Wenn Sie Tendenzen bemerken, dass Sie an Selbstmord denken, dann begeben Sie sich unbedingt in psychologische und/oder medizinische Behandlung (hier finden Sie erste Hilfe). Oft sind nur geringfügige Hormonschwankungen die Ursache für gravierende und tragische Folgen. Selbstmord ist niemals eine Option! Nicht einmal für Ofenhessen.




Hat Ihnen der Artikel gefallen? Als Einzelkämpfer bin ich für jede Unterstützung dankbar, damit auch weiterhin dieses Internetprojekt aufrechterhalten wird. Danke!