Warum ein Italiener keine deutsche Bundesliga kann

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Falscher Mann am falschen Ort zur falschen Zeit in der falschen Kultur: Ciro Immobile; © Tim.Reckmann auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Falscher Mann am falschen Ort zur falschen Zeit in der falschen Kultur: Ciro Immobile; © Tim.Reckmann auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Ciro Immobiles Engagement beim Ruhrpottklub Borussia Dortmund* entpuppt sich immer mehr als ein riesiges Mißverständnis. Mit leerem Blick schleicht er auf der Asien-Tour des BvB von einem Event zum anderen oder verschläft es gleich. Er meidet die anderen und wird von den anderen gemieden.
Doch er ist bekanntlich nicht der einzige italienische Stürmer, der in Deutschland nicht heimisch wird. Woran liegt das?

Immobile hatte sich beschwert, dass er von keinem Teamkameraden privat eingeladen wird.
Der deutsche Bild-Leser hat daraufhin verwundert zur Kenntnis genommen, dass es in Italien offenbar üblich ist, nach der Arbeit umfangreiche Orgien mit den Arbeitskollegen und Freunden zu feiern. Vermutlich handelt es sich um ein Relikt aus römischen Zeiten, als sich der römische Bürger auf der Ottomane fläzte und die größte Herausforderung des Tages darin bestand, sein Brotstück nicht im Käsefondue zu verlieren.
Offenbar sieht der Italiener auch keinen großen Unterschied zwischen Arbeitskollegen, Freunden und Familie. Das wundert bei den mafiösen Strukturen in dem seltsamen Land jenseits der Alpen nicht. Vielleicht sind die Mentalitätsunterschiede dann doch zu groß für Immobile und er selbst mag mental zu „unbeweglich“ sein, sich auf andere Sitten und ein anderes Land einzulassen. Angesichts seines Namens hätte der Chefscout des BvB* aber im Grunde früher darauf kommen können.

Was BvB-Spieler nicht ahnten: Italienisch sprechen ist so einfach! © <a href="https://www.flickr.com/photos/postmemes/15702513303/" target="_blank" rel="noopener">Post Memes auf www.flickr.com</a>, Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener">CC BY 2.0</a>
Was BvB*-Spieler nicht ahnten: Italienisch sprechen ist so einfach! © Post Memes auf www.flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0

Auch wenn sich Deutschland in der Klimakatastrophe dem italienischen Wetter* immer mehr anpasst: Der Italiener ist es seit dem Mittelalter wie jeder Südländer gewohnt, in der Mittagshitze eine Siesta-Ruhepause einzulegen.
Es führte verständlicherweise zu Irritationen, als Immobile beim Training den Sonnenstand mit einer komplizierten Entfaltungsgestik von Armen und Fingern maß, um dann völlig selbstverständlich die laufende Übung abzubrechen und den Schatten am Spielfeldrand aufzusuchen. Als man ihm eine fehlende (deutsche) Einstellung vorwarf, entgegnete er, dass nur Deutsche so verrückt seien bei der Hitze mitten in die Sonne* zu rennen.

Andererseits kehrte sich im Winter das Ganze um. Völlig verstört über deutsche Wintertemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt zog Immobile einen doppelten Satz baumwollener Unterhosen an, die seine Mutter noch aus dem Alpenkrieg anno 1944 verwahrt hatte. Dicke Polarhandschuhe schützten die Hände und Finger, damit Immobile als Italiener nicht Gefahr lief, diese durch den Beinahefrost zu verlieren und somit taubstumm zu werden.

Alles Gute, Ciro!
Alles Gute, Ciro!

Apropos Hände und Kommunikation: Da Immobile auch nach Monaten nicht in der Lage war, sich auf Deutsch zu verständigen, benutzte er noch mehr als Italienern in die Wiege gelegt worden war, sich mit Gesten zu verständigen. Unglücklicherweise kam es dabei zu vielen Mißverständnissen. Um dem Windmühlenartigen Gestenwirbel zu folgen, konzentrierten sich seine deutschen Mitspieler mehr auf die Hände als auf die Augen und das Gesicht, sodass bestimmte ironische Aussagen schlecht ankamen. Auch deutsch-italienische Unterschiede sorgten für Mißstimmung. Beispielsweise bedeutet die Geste, wenn man Daumen und Zeigefinger zu einem Kreis formt, in Italien „gut gemacht“, in Deutschland jedoch wird man damit vulgär aufgefordert, sexuelle Aktivitäten mit sich selbst aufzunehmen statt weiter Unsinn zu erzählen oder wird unschön mit einer bestimmten Körperöffnung gleichgesetzt.
So kam es, dass Immobile bei einem seiner wenigen Tore das Kreiszeichen machte, just als die BvB*-Kameraden auf ihn zugelaufen kamen, um ihn zu beglückwünschen. Bei dem von ihnen verstandenen Zeichen „F…ckt euch selbst“ verloren sie spontan den Wunsch, Immobile auch noch zu seiner vermeintlichen Arroganz zu gratulieren.
Dabei wäre ein Verhindern von Missverständnissen so einfach gewesen: Man führe alle Finger an der Spitze zusammen und hebe die Hand theatralisch vor die Augen, reiße die Augen weit auf und fange an zu jammern oder zu jubeln – diese universale italienische Geste kann jede Aussage unterstreichen.

Viele werden nun erbost aufschreien und Luca Toni als Gegenbeispiel anführen, der in seiner Zeit beim FC Bayern* herausragende Leistungen abgeliefert hatte. Recht haben sie, aber Luca Toni ist eine Ausnahme. Auch er musste stets die inneren Schrauben durch Drehung am Ohr einstellen, dass es am Ende mit den Deutschen passte. Luca Toni war nämlich in der Jugend ein Missgeschick mit einer ungekochten Spaghetti passiert, den er sich in kindlicher Neugier durch das Ohr ins Gehirn gesteckt hatte. So war er nun allerdings in der Lage, durch ein wenig Ohrendrehen das Gehirn auf die andersgearteten Wellenlängen der Deutschen abzustimmen.

Immobiles Interpretationsvariante von "Gras fressen" im "Kohlenpott": Tintenfischpasta mit grünem Spargel, © <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Squid_ink_pasta.jpg" target="_blank" rel="noopener">tednmiki auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener">CC BY-SA 3.0 (EN)</a>
Immobiles Interpretationsvariante von „Gras fressen“ im „Kohlenpott“: Tintenfischpasta mit grünem Spargel, © tednmiki auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0 (EN)

Auch Ciro Immobile versuchte sein Bestes. Als ihm Kameraden begreiflich zu machen versuchten, er solle das Schöngeistige ablegen und lieber „Gras fressen“, da er im „Kohlenpott“ sei, wo erwartet wird, dass er arbeite, nahm sich Ciro das, was er verstanden hatte, zu Herzen und wechselte umgehend von seiner Carbonara-Pasta zu schwarzen Nudeln aus Tintenfischzutaten mit grasfarbenem, grünem Spargel.

Auch dies half nicht, sodass Ciro Immobile den BvB* verlassen wird, denn psychisch und physisch ist er im Grunde schon lange nicht mehr in Dortmund. Und wenn ein Verein bereit ist, die 15 Millionen Euro zu zahlen, die der BvB* fordert, dann wird Ciro wieder in seinem Heimatland landen, wo er bei täglichen Orgien mit jedermann und tropischen Temperaturen zu Weihnachten wieder lernen kann glücklich zu werden.

Bis dahin wird er sich dennoch mit einem guten Gefühl von seinen BvB-Teamkameraden verabschieden, die alle gemeinsam mit Daumen und Zeigefinger das „Kreis-Zeichen“ bilden werden. Ganz so schlecht kann es also dann doch nicht gewesen sein, wird Ciro denken und sich darin ebenso irren wie in seiner deutschen Zeit beim BvB.




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