Wie therapiert ein Klimapsychologe einen unheilbaren Sommerfetischisten?

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Auge im Auge mit dem Feind: Die Arbeit eines Klimapsychologen gehört zu den schwierigsten auf diesem Planeten.
Auge im Auge mit dem Feind: Die Arbeit eines Klimapsychologen gehört zu den schwierigsten auf diesem Planeten.

Wie wir alle vor allem im Sommer leidvoll erfahren, ist die deutsche Gesellschaft durchseucht von den sogenannten „Sommerfetischisten“, kurz: „Sofeten“.

Kaum wieder auf der Erde nerven die Sommerfetischisten!; © danielle peña auf flickr.com, Lizenz: CC BY-SA 2.0
Frei laufende Exemplare des Homo sofensis in einem eigens errichteten tropischen Reservat (bitte nur mit tropischen Sofetenfrüchten füttern!); © danielle peña auf flickr.com, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Was ist der „Sofet“ genau? Er ist ein Thermoilithiot, ein Hitzeidiot, ein Neurotiker, kurz ein Sommer-Sonne*-Hitzeperverser, der unablässig seine normalfühlenden Mitmenschen intolerant angreift und zu seiner eigenen abartigen Hitzesucht bekehren will (Beispiele für die infantilen Bekehrungsversuche: Die 10 dämlichsten Kommentare von Sommerfetischisten und Die 10 dämlichsten Aussagen zum Sommer von Sofeten).

Es läge nahe, diese bedauernswerten und jede mörderische Hitzewelle bejubelnden Primaten auf immer und ewig wegzusperren und diese Gefährdung der Gesellschaft in der Gegenwart einer globalen Treibhausgasapokalypse schnell und effektiv zu entsorgen.

Nicht Menschenliebe, sondern Tierschutz für den in der Wissenschaft vom normalen Menschen (Homo sapiens) unterschiedenen „Hitzeprimaten“ (Homo sofensis), auch „Hitzlamist“ genannt, hat bei der Zunft der Psychologen zu einer Spezialisierung auf sofetische Neurosen geführt – den sogenannten „Klimapsychologen“ (Schädelsäge.de berichtete: Neuer Berufszweig und Hilfe für manische Sommerfetischisten: Der Klimapsychologe).

Hehres Ziel dieser wissenschaftlichen Frontkämpfer an den Grenzen aftermenschlicher Entartung ist die erfolgreiche Resozialisierung von Sofeten, damit sie in der Gesellschaft wieder integriert werden können.
Welchen unglaublichen Absurditäten sie dabei begegnen, mit welchen Abgründen in der Seele von Sofeten sie zu tun haben, wollen wir als stille Beobachter einer Therapiesitzung einer der bekanntesten Klimapsychologen, Dr. Falk von Trasic, einmal genauer in Augenschein nehmen. Zartbesaitete Seelen sollten an dieser Stelle auf die weitere Lektüre verzichten, da es zu anstößigen Szenen kommt, die schockieren könnten und die nicht jeder verkraften kann.

Der Therapieversuch Dr. Falk von Trasics an dem Sofeten Siggi Proller

Dr. Falk von Trasic sah sich für einen Moment, wie er mit einer Knochenkreissäge enthusiastisch den Schädel seines Patienten öffnete, um im hitzedegenerierten Rest von einem Gehirn eine umfangreiche Lobotomie auf die „harte Tour“ vorzunehmen. Allerdings nur für einen unkontrollierten Moment.

Solch ein Fall war ihm in seiner langjährigen Zeit als praktizierender Klimapsychologe noch nicht unter die Augen gekommen. Er war nun seit zwei Jahrzehnten als Klimapsychologe tätig und galt als Vorreiter und Koryphäe seiner Zunft. Mit Leidenschaft, ungewöhnlich kreativen Therapien und höchster Fachkenntnis half er armen Seelen, die als hoffnungslos galten und die aufgrund ihrer Krankheit kein normales Leben mehr führen konnten. Diese Krankheiten, die im Grunde viele verschiedene Symptome aufwiesen, wurden unter dem Begriff „Sommerfetischismus-Syndrom“ zusammengefasst – ein Begriff, der auf Dr. von Trasics bahnbrechende Grundlagenarbeit zurückging. Die meisten bedauernswerten Patienten des Sommerfetischismus wurden Opfer von unkontrollierbaren Zwangshandlungen, die allesamt auf Sommer, Sonne* und Hitze zurückzuführen waren – abnorme, unerhörte Vorstellungen und Handlungen, die inmitten einer klimatischen Apokalypse auf Erden absurd und auch lebensgefährlich geworden waren.

Der Fall Horst Brennessel

Dr. Falk von Trasic rückte seine ehrfurchtsgebietende Hornbrille zurecht und sein Verstand bot ihm vor dem geistigen Auge eine Zusammenschau verschiedener Patienten in der Vergangenheit an. Horst Brennessel, ein typischer „Gartennazi“, fachlich korrekt „Gartenhysteriker“ genannt. Zwanghaft besessen von der Gartenarbeit mähte Horst Brennessel täglich den Garten mit einem motorisierten Rasenmäher. Er mähte ihn vier Stunden lang unter sengender Sonne*, die den Rasen längst durch die Hitze zu einer Masse brauner, unansehnlicher Strohstrippen vernichtet hatte.

Einer der vielen möglichen Entartungen des Homo sofensis: An ihren kranken Verhaltensneurosen sollt Ihr sie erkennen!
Einer der vielen möglichen Entartungen des Homo sofensis: An ihren kranken Verhaltensneurosen sollt Ihr sie erkennen!

Schließlich rief seine Frau Dr. von Trasic an, der mit einer Einsatzgruppe von Pflegern anrückte, um den völlig erschöpften und dehydrierten Herrn Brennessel unter Schreien von seinem Gefährt zu entfernen. Eine schockierende Szene. Doch mit Hilfe einer Gruppentherapie, bei der die betroffenen, bekennenden „Sofeten“ (Sommerfetischisten) lernen, Wörter wie „kalt*“, „Heizung herunterdrehen“, „Schnee“, „Eis“ zu verwenden, konnte Herr Brennessel wieder erfolgreich resozialisiert werden. Auch die der Gartenhysterie zugrundeliegende Wahnvorstellung, dass Hitze und Sonne* gleichbedeutend mit dem Erblühen des Lebens seien, zerbröckelten zu Asche – ähnlich der Therapieblume, die Herr Brennessel immer wieder verzweifelt Sonne* und 30 bis 40 Grad aussetzte, bis er die Wahrheit unter Schreien erkannte, dass erst Regen und reduzierte Temperaturen die Blume leben ließen.

Der Fall André Brünftig

Selbst ein extremer Fall wie André Brünftig verblasste sogar im Vergleich mit seinem derzeitigen Patienten. Es fing wie bei den meisten Menschen auch bei André Brünftig ganz harmlos an. Bei einem herrlich erfrischenden Regenschauer suchte André Brünftig panisch Schutz vor den harmlosen Tropfen, die Grundlage allen Lebens auf Erden sind. Er steigert sich schließlich mehr und mehr in eine Phobie hinein, die sich zunächst auf Regen beschränkte. Doch bald schon wurde André Brünftig nervös, wenn er zum Zähneputzen den Wasserhahn aufdrehte und das kühle Wasser sah.

André Brünftig litt darunter wie viele andere und kennzeichnet sich damit als Patient im fortgeschrittenen Stadium von Sommerfetischismus.
André Brünftig litt darunter wie viele andere und kennzeichnet sich damit als Patient im fortgeschrittenen Stadium von Sommerfetischismus.

André Brünftig litt immer mehr am „Frankfurter Mädchen-Syndrom“, einer gefährlichen und weit verbreiteten Krankheit. Die bemitleidenswerten Opfer dieser Zwangsneurose werfen sich spontan breitbeinig auf den Rücken, sobald die Temperaturen 20 Grad erreichen und Sonne zu sehen ist in der abstrusen Vorstellung, die UV-Strahlen der Sonne, die bekanntlich irreparablen Hautkrebs durch Akkumulation von Zellschäden verursachen, seien lebenswichtig und für die Produktion von Vitamin C seien mindestens 15 Stunden am Tag notwendig und nicht etwa 5 Minuten, wie es tatsächlich der Fall ist. Sanitäter mussten André Brünftig – mittlerweile so schwarz wie ein Stück Holzkohle – von seiner Plasmaglut-Solariumsbank zerren, auf der er täglich schlief und hautärztlich versorgen, doch die schwer wiegende psychologische Komponente erkannten sie leider nicht, was dann zu einer Tragödie führte.

Kampf gegen den sofetischen Schweinehund: Klimapsychologe führt in einer Outdoor-Therapiestunde eine schreiende Sofetin in den Schnee.
Kampf gegen den sofetischen Schweinehund: Klimapsychologe führt in einer Outdoor-Therapiestunde eine schreiende Sofetin in den Schnee.

Der Winter, die mittlerweile einzige Jahreszeit, die normalen Menschen das Leben in einer Gluthölle erträglich machte, bereitete André Brünftig nämlich schlimmste Sorgen und Nöte. Er wähnte sich durch die mittlerweile üblichen 20 Grad zu Weihnachten in akuter Frost-Lebensgefahr und experimentierte an der Heizung herum, da ihm die rotglühenden Heizkörper nicht ausreichten, um lebend über den Winter zu gelangen. Die fatale Folge einer Heizkesselexplosion und der Zerstörung des Hauses auf dem Hügel, den die Nachbarn bereits „Brünftig-Vulkan“ nannten, führte schließlich zur gerichtlichen Verfügung einer Klimapsychologischen Therapie.
Dr. von Trasic gelang es nach Jahren mühsam, André Brünftig von seinen Angstvorstellungen zu befreien. Auch ein Rückfall, als sich Herr Brünftig mit einem Winterurlaub in Island zu viel zugemutet hatte und im Schnee spielende Kinder mit einem selbstgebauten Flammenwerfer „retten“ wollte, wurde erfolgreich mit Hilfe Dr. von Trasics überwunden.

Der Erzsofet Siggi Proller: Eine hoffnungslose Anamnese

Der Klimapsychologe schreckte aus seinen Gedanken auf, blickte seinen neuen Patienten wieder durchdringend an, der vor ihm auf dem Stuhl fest angeschnallt war. Sein Name war Siggi Proller. Das von der Sonne geradezu schwarz gebrannte Gesicht mit dem seltsam kontrastrierenden Weiß des gestutzten Bartes zeugte bereits von seinen klimapsychologischen Auffälligkeiten. Bisher hatte Dr. von Trasic bei Siggi Proller eine galoppierende Lux aeterna-Schizophrenie, eine die Skalen sprengende Kälte-Hyperphobie, eine Kaltwetter-Soziophobie und eine zwanghafte Hitzebekehrungs- und Missionierungsverhaltensstörung festgestellt. Der Klimapsychologe hatte jedoch keinerlei Zweifel, dass er das gesamte Kompendium des „Diagnostica sofetorum“-Standardwerks vereint in diesem Menschen finden würde, bohrte er nur lange genug in der Glutasche dieser kranken Seele.

Selbstporträt Siggi Prollers in einer der anfänglichen Selbstfindungestherapien mit künstlerischen Mitteln.
Selbstporträt Siggi Prollers in einer der anfänglichen Selbstfindungestherapien mit künstlerischen Mitteln.

Siggi Proller blickte mit beinahe rötlichen Augen seinen Therapeuten an und ignorierte die von Dr. von Trasics Assistenten präsentierten Thermometer, welche auf 10 Grad eingefroren waren und deren Ziffern aufmerksamkeitsheischend leuchteten. Dr. von Trasic fragte sich angesichts der Erfolglosigkeit aller bisherigen Therapien, ob Siggi Proller noch ein Mensch war oder ob er nicht längst die herkömmlichen Schallmauern hitzedegenerierten Sonnenwahnsinns durchbrochen hatte und mit diesem Irrsinnsblick auf einem stillen, ruhigen Lavasee, den nur er sah, vor sich hinruderte.
Er schauderte. Erlebte er etwa das, was er insgeheim immer befürchtet hatte? Die Geburt eines Hitze-Homunkulus und noch mehr – einer ganzen degenerierten Rasse, des „Homo sofensis“, des sommerfetischistischen Menschen, der den Homo sapiens auf einem evolutionären Rückschritt zum Affen ersetzte? Wenn, dann saß der Beweis soeben direkt vor ihm.

Dr. von Trasic traf eine Entscheidung. Eine sehr harte Entscheidung, die er bisher nur einmal in seiner beruflichen Laufbahn hatte treffen müssen. Doch er sah Siggi Proller immer noch als seinen Patienten an, dem er helfen wollte. Wenn er als Klimapsychologe versagte, dann wäre Siggi für die Menschheit verloren und das würde er nicht einmal seinem ärgsten Feind wünschen. Dr. von Trasic blickte Siggi Proller an.

Doch war er noch ein Mensch?, fragte sich der Arzt. Die gefährlichste aller denkbaren Therapien würde es zeigen. Ohne Schmerzen kann es letztlich keinen Behandlungserfolg geben. Eine Augenbraue unter dem Scheitel Dr. von Trasics zuckte nervös.
Er blickte seine Assistentin Sarah an, die mit dem Lächeln und Schwenken des Therapiethermometers vor Siggis Augen aufhörte. Erschrocken sah sie, wie ihr Chef beide Hände zu Fäusten ballte und die Fäuste gegeneinanderpresste. Sie schluckte, blickte Siggi Proller an, der immer noch regungslos und hasserfüllt Dr. von Trasic anstarrte und nahm wieder Augenkontakt mit ihrem Chef auf. Fragend hob sie mit zitternden Lippen eine Augenbraue.
Dr. Falk von Trasic nickte nur bekräftigend und stieß erneut die Fäuste gegeneinander. Assistentin Sarah und ihr Kollege Elvis blickten sich wortlos an und verschwanden im rückwärtigen Bereich des geräumigen und klimatisierten Therapieraums.

Der Erzsofet Siggi Proller: Die radikale Konfrontationstherapie

Zunächst allein mit seinem Patienten stand der Psychologe auf, strich sich seinen glatten, schwarzen Scheitel zurecht und prüfte Siggis Lederfesseln, die ihn aus Sicherheitsgründen am massiven Stuhl festbanden. Siggi Prollers seltsam rötlicher Blick folgte ihm.
Der Blick des Arztes musterte seinen ungewöhnlichen Patienten von oben nach unten. Schließlich kehrte er zu seinem Schreibtisch zurück und hantierte an den Schubladen, bis ein leises Klirren ertönte. Mit einer langen Stahlkette kehrte Dr. von Trasic zu seinem Patienten zurück.

In der Seele eines jeden Sofeten schreit zwischen Angstneurosen und irrationaler Abwehraggression ein normaler Mensch mit Liebe für Regen, Wolken, Schnee und Kühle nach Hilfe.
In der Seele eines jeden Sofeten schreit zwischen Angstneurosen und irrationaler Abwehraggression ein normaler Mensch mit Liebe für Regen, Wolken, Schnee und Kühle nach Hilfe.

»Seien Sie unbesorgt, Herr Proller«, redete Dr. von Trasic mit seiner geschulten, tiefen Stimme beruhigend auf Siggi ein. »Wir werden Sie gleich einigen unangenehmen Dingen aussetzen. Es ist überaus wichtig, dass sie dem Stress widerstehen und versuchen, entspannt zu bleiben. Stellen Sie sich vor, dass jede Reizung wie eine Mauer ist, die ihre inneren Leiden zerbrechen soll, damit sie frei werden. Bis sie zu dem Siggi Proller vorstoßen, der tief in ihnen steckt und um Hilfe schreit. Verstehen Sie das?«
Er blickte in Siggis unheimliche Augen, die ihn wortlos anstarrten. Schließlich deutete sich ein Zucken der Mundwinkel an, was Dr. von Trasic als Zustimmung wertete. Er wickelte die Kette mehrfach um den Oberkörper und die Arme seines Patienten und verschloß die Enden mit einem großen Karabinerhaken. Zufrieden nickte er, nachdem er das Schloss auf seine Funktionsfähigkeit überprüft hatte.

Die hintere Bürotür öffnete sich und seine Assistenten Sarah und Elvis traten ein, die Siggi Proller noch nicht sehen konnte. Dr. von Trasic betrachtete Sarah und Elvis, die beide im Gothic-Stil gekleidet waren. Schwarzes Leder, kalte Ketten und schwarzes Makeup bildeten perfekt einen Anbeter der Dunkelheit ab. Das wichtigste waren jedoch die Westen, deren eine Kammer mit Luft und die andere mit einer schadstoffreien Kühlflüssigkeit gefüllt waren. Mit Hilfe eines Mikronebel-Ventils konnte die eisgekühlte Luft abgelassen werden, die zischend als Kältenebel die Weste unter Druck verließ. Eine lederne Dominapeitsche in Sarahs Hand, sowie ein schwarzer Zeigestock in Elvis Hand vervollständigte die ungewöhnliche Therapiebekleidung.

Dr. von Trasic verabscheute es, die berüchtigte „Konfrontationstherapie“ als letzten Ausweg einzuschlagen, aber hier hatte er keine Wahl mehr! Er nickte Elvis und Sarah zu, die sich vor Siggi positionierten. Sarah stolzierte dabei mit aufreizend lässigen Bewegungen in Siggis Sichtfeld.
Dr. von Trasic hingegen schritt entschlossen zu einem rechteckigen Regler an der rechten Wandseite und stellte die Raumtemperatur von therapeutisch günstigen 25 Grad auf 16 Grad. Ein dumpfes Wummern und ein hustender Ausstoß kondensierenden Nebels an Lüftungsschlitzen in der Decke kündete davon, dass eine gewaltige Klimaanlage soeben zur Höchstleistung hochgetrieben wurde. Bereits nach Sekunden wurde die Luft im Raum deutlich kühler. Der Klimapsychologe gab seinen Assistenten das Zeichen, zu beginnen.

Kennt bereits jeder erfahrene Ehemann: Konfrontationstherapie.
Kennt bereits jeder erfahrene Ehemann: Konfrontationstherapie.

Die schwarzhaarige, vollbusige Sarah schlug einmal mit der Peitsche in den Raum, dass ihr Chef vermutete, der Knall reiße die Tapeten von den Wänden. Sie trat einen Schritt auf den gefesselten Patienten zu.
»Weiß du, was ich geil finde?«, zischte sie. Sie starrte Siggi in die rötlichen Augen und verzog höhnisch die schwarz geschminkten Lippen. »D-u-n-k-e-l-h-e-i-t!!«, keuchte sie und lachte dann gehässig.
Siggi starrte sie ohne jede Regung an. Lediglich der rechte Mundwinkel verzog sich plötzlich in einer Andeutung des Ekels nach unten.
Sarah schoss vor, bis ihr weiß gepudertes und mit schwarzen Augenringen geschminktes Gesicht auf einer Höhe mit dem ihres Patienten war. »Ich finde Sonne und Sommer zum Kotzen!«, fauchte sie.
Siggi zuckte zusammen, als hätten ihn die peitschenden Worte in der Seele getroffen.

Ihr Kollege Elvis, sonst ein sehr zurückhaltender Mensch mit einem freundlichen Gesicht, klappte einen Kartenständer auf und rollte eine Karte aus, die das Wetter* abbildete. Sein Gesicht zierte nun jedoch eine skelettierte Bemalung, die seinem Lächeln das charakteristische Grinsen des Todes verlieh. »Kommen wir nun zum Wetter* für morgen«, teilte er im Stil eines Wettermoderators und in der Bekleidung einer Vogelscheuche mit.
Auf Elvis war Dr. Falk von Trasic besonders stolz. Er war einst selbst ein Patient gewesen – selbstverständlich kein Sofet, aber ein verzweifelter normaler Kälteanhänger, der in der Welt der Sofeten beinahe wahnsinnig geworden war, weil man ihn zwang, Schönwettermoderator zu werden und das Wetter* stets so darzustellen, dass Sonne und Hitze begünstigt, Regen, Schnee und Kälte aber diffamiert wurden. Bei Dr. von Trasic fand Elvis erst wieder zu seiner inneren Stabilität zurück und fand eine Aufgabe im Leben, die ihm sonst niemand bieten konnte.

Elvis deutete lächelnd auf einen Kreis über Deutschland, der mit einem großen, roten „H“ markiert war. »Dieses Hochdruckgebiet, das tropische Temperaturen nach Deutschland bringt …« Elvis setzte zu einer psychologisch bewussten Pause an und Siggis Blick klebte wie der eines Ertrinkenden auf dem roten Hochdruckgebiet über Deutschland.
»Dieses Hochdruckgebiet«, setzte Elvis wieder an und sein lächelndes Gesicht verzog sich zu einer hasserfüllten Fratze, »verpisst sich jetzt endlich auf Nimmerwiedersehen!« Ruckartig schnappte er nach einem Filzstift und hackte das „H“ durch ein Kreuz entzwei.
Siggi Proller keuchte hörbar auf.

Ein Therapiemeteorologe, der endlich einmal schonungslos fernab plappernder RTL-Wettersofetendirnen Wahrheiten verkündet!
Ein Therapiemeteorologe, der endlich einmal schonungslos fernab plappernder RTL-Wettersofetendirnen Wahrheiten verkündet!

»Die Sonne«, Elvis deutete angeekelt auf das große Sonnensymbol neben dem massakrierten „H“ auf der Wetterkarte, »wird von herrlichen Wolken gefressen.« Mit hektischer Nervosität malte der Schweizer Meteorologe dicke schwarze Wolken, bis die Sonne vollkommen verschwunden war.
Ein Schluchzen drang aus dem Therapiestuhl.
»Ein saukaltes Tief dringt durch eine endgeile Troglage nach Deutschland vor und reißt dem Hoch den Arsch auf!«, brüllte Elvis triumphierend und malte ein dickes „T“ über das zerstörte „H“. »Es wird ein Temperatursturz von 30 Grad erwartet«, schloß Elvis seinen ungewöhnlichen meteorologischen Vortrag und wieherte ein gehässiges Lachen.
Siggi begann mit den Zähnen zu klappern.

Der Erzsofet Siggi Proller: Das Dämonische im Sofeten

Dr. von Trasic kaute auf der Unterlippe. Die Therapie schien zu wirken! Das hätte er nicht erwartet. Eilig winkte er Sarah zu, die die nächste Therapiestufe zündete.
Die Assistentin öffnete einige Mikronebler ihrer Kühlweste und zischend kleidete sie sich in einen kühlenden Nebel, bevor sie wieder an Siggi herantrat. »Hast du das gehört, Siggi? Es wird kalt*, kalt*, jaaaaa, kalt*. Ich finde das geil. Und du?«
Der Angesprochene öffnete seinen Mund und schnappte nach Luft wie ein Fisch, während er zitterte. Die Luft im Raum war inzwischen auf unter 16 Grad gesunken.
»Jaaaa, endlich kommt die Kälte. Und du wirst sie auch willkommen heißen, ist das klar?«, schrie Sarah. Die Peitsche knallte.
Siggi Proller schüttelte langsam den Kopf mit schreckgeweiteten Augen.
»Wie war das?«, drohte Sarah leise. »Ich liebe Kälte. Los, sag es!« Sarahs Stimme war eisig wie die angekündigte hypothetische Nordlage.
Siggi Proller atmete schneller wie ein an Land geplumpster Fisch.

Dr. von Trasic beobachtete seinen Patienten mit Sorge. Es überfordert ihn. Sarah müsste andere Reize setzen, damit sich Reizüberschneidungen mit seinem Lustzentrum ergaben. Falls solch eine hitzedegenerierte Kreatur überhaupt eines besaß.
Doch seine Assistentin hatte bereits die gleichen Schlussfolgerungen gezogen. Sie drehte den Griff der Peitsche um und hob das Griffende an ihre Lippen. Ihre Zunge spielte mit dem Lederknauf. »Was denn, Siggi? Was hast du denn dagegen, wenn die heißen Temperaturen«, der Peitschengriff schlängelte sich mit der Peitschenschnur über die in schwarzes Leder verpackten Rundungen, »sinken«, die Peitsche kreiste über den Bauch, »und immer weiter in die Kälte vor … dringen?« – der Peitschengriff verschwand in ihrem Schritt.

Siggis Atmung wurde wieder regelmäßiger, doch Elvis hatte sich gerade in Rage geredet. Mit glühenden Augen, die Siggis in nichts nachstanden, schlug er mit dem Zeigestock auf die Wetterkarte. »Die Troglage ist erst das Vorspiel! Der durchgeknallte Polarwirbel dreht durch eine negative Arktische Oszillation völlig durch und wird zur analen Kaltramme für alle deutschen Sofeten! Da!«
Er stieß mit dem Zeigestock durch die Karte in den Polarwirbel. »Da kommt das, was seit 150 Jahren nicht mehr passiert ist. Arktische Polarluft. Minus 50 Grad meine Freunde, minus 50 Grad und sie brakt nach Deutschland. Was bedeutet das, was bedeutet das, fragt ihr? Jaha, fragt nur.« Elvis zog seine Schultern hoch wie ein Geier und kicherte. »Ein gottgeschenkter ARCTIC OUTBREAK! Das bedeutet Schneeeeeeee, tonnenweise Schneeeeee. Thor der nordische Eisgott lässt es schneien. Tagelang, wochenlang. Er schockfrostet alle Sofetenärsche.« Wieherndes Lachen endete in einem erschöpften Hustenanfall.

Siggi Proller war den Worten trotz Sarahs Ablenkung mit Entsetzen gefolgt. Endlich sprach er. »Sol invictus steh‘ mir bei!« Plötzlich verstärkte sich sein Zittern und er fing an zu hyperventilieren. Innerhalb von Sekunden wand sich Siggi in epileptischen Krämpfen auf dem Stuhl, auf dem er festgebunden war.

Hitzesack* zur Selbstberuhigung; © sensei George auf commons.wikimedia.org; Lizenz: CC BY-SA 3.0
Letzte Hilfe für Siggi Proller: Der Hitzesack für Sofeten; © sensei George auf commons.wikimedia.org; Lizenz: CC BY-SA 3.0.

»Rasch! Bindet ihn los! Es war zuviel für ihn! In den Hitzesack. Schnell!« Dr. von Trasic sprang auf den Klimaregulator an der Wand zu und stellt ihn wieder auf 25 Grad. Derweil hatte Sarah mit ihrer Peitsche Elvis aus seinem Wahn gerissen und beide banden Siggi von den Ketten los und bugsierten ihn zu der nahegelegenen Couch, wo ein Notfall-Hitzesack für solche Fälle immer parat lag. Der aus Latex bestehende und beheizbare Ganzkörperanzug sollte einen Patienten im anaphylaktischen seelischen Kälteschock schnellstmöglich wieder stabilisieren, indem der Patient für Sofeten normalen 50 Grad ausgesetzt wird.
Siggi Proller wurde eiligst von Sarah in den hautengen Latexanzug einschlossen, bis er wie eine schwarze Latexbanane wirkte. Eine Mundöffnung stellte die einzigen Membrandurchbruch in die freie Welt dar, während der Patient in seinem eigenen Hitzeparadies weilte. Schweigend gesellten sich Dr. von Trasic und seine Assistenten zum Sofa, auf dem ihr Patient lag und nur dessen hektische Atemgeräusche für eine Weile den Raum füllten.
Für einen Moment überlegte Dr. von Trasic, ob er zur Steigerung der Beruhigung das im Kopfteil der Couch integrierte Musikabspielsystem aktivieren sollte. Es war in der Lage, neben sehr provozierenden Worten und kälteorientierten Musikangeboten für eine fortgeschrittene Konfrontationstherapie auch Sofeten genehme oberflächliche Reize wie das Wellenrauschen an einem versifften Tropeninselstrand, Okuleleklänge und diverse sonnenanbetende Schlager von Jürgen Trews abzuspielen. Schließlich entschied sich der Arzt dagegen, zumal sich Siggi Proller bereits erfolgreich zu beruhigen schien.
»Kriegen wir ihn wieder zurück in das normale Leben?« Sarah schaut zweifelnd und lippenkauend den Patienten an.

Der Klimapsychologe kratzte sich das kantige, vertrauenserweckende Kinn. »Ich gebe zu, dass mir dieser Fall beinahe unheimlich ist. Herr Proller widersetzt sich jeglicher Therapie und selbst die wohlfeilsten Versuche schlagen nicht an.« Seine Augen verengten sich, als er beobachtete, wie feine Schweißdampfschwaden aus der einzigen Öffnung des Hitzesacks am Mund drangen. »Er hat in seinem Wahn und der Ansammlung miteinander verknüpfter Psychosen etwas Dämonisches …«, flüsterte Dr. von Trasic.

»Hochdruckgebiete«, Elvis blickte auf Siggi Proller, »kann man eliminieren, indem man sie mit Kaltfronten bombardiert.« Der Assistent mit dem Skelett-Antlitz drehte sich zu seinem Chef um. »Er wäre das perfekte Objekt für diese Therapie, die ich …«
Elvis unterbrach sich, als Dr. Falk von Trasic heftig den Kopf schüttelte.
»Nein, Elvis. Nein!« Ein Bad in Trockeneis wäre eine Katastrophe für den Patienten. Die zarten Hitzefäden, aus denen seine kranke Seele bestanden, würden reißen und ein psychisches Wrack hinterlassen. Kryotherapien waren nur für Patienten bestimmt, die nach zahllosen Erfolgen kurz vor der Gesundung standen.
»Holt ihn wieder da raus«, ordnete der Klimapsychologe an. »Wir werden die Therapie mit reduzierten Methoden fortsetzen.«

Therapiebegleitende Hilfsmittel für Sofetische Patienten:

Der Erzsofet Siggi Proller: Die Eskalation

Sarah und Elvis machten sich daran, Siggi Proller umzudrehen, um den Reißverschluss des Hitzeanzugs zu öffnen. Als Siggi bemerkte, dass man ihn aus seiner heilen Hitzewelt reißen wollte, begann er sich zu wehren. »Nein! Im Namen Sol Invictus‘ – weicht von mir!« Da sich auch die Arme und Beine innerhalb des eng anliegenden, beheizten Latexanzugs befanden, war der Patient nicht in der Lage, sich erfolgreich zu wehren. Dennoch wand er sich wie eine schwarze Latexmade und offenbarte dabei die erstaunliche Kraft eines Wahnsinnigen.
Elvis und Sarah bekamen den sich windenden Siggi nicht in den Griff und unter Schreien wurde dessen Gegenwehr immer heftiger, bis er heftig mit dem Kopf an die im Sofa eingebaute therapeutische Audioanlage stieß.
»Fiep… grblfzzz… nun die Wettervorhersage für morgen«, kiekste eine elektronisch verzerrte Stimme, während aus dem Kopfteil Funken stoben. »Das Tief … das Tief … das Tief wird mit einem … krks … Langwellentrog arktische Luftmassen vom Nordpol direkt nach Deutschland führen.«
Siggi begann sich hektisch zu winden und warf seinen Kopf unter Schreien verzweifelt hin und her.
Die automatische Lautstärkeanpassung der Audioanlage reagierte prompt. »Ziep … Erwartet werden Luftmassen von unglaublichen Minus 50 Grad mitten im Frühling«, fiepte die Stimme in ohrenbetäubender Lautstärke und wurde durch die Überbelastung immer schriller. »Schneestürme im Frühling, Schneestürme, alles Leben wird erfrieren, erfrieren«, jaulte es im hysterischen Falsett ähnlich einem männlichem Kastrationsopfer.

Siggi Prollers panische Angst verlieh ihm übernatürliche Kräfte. Mit einem Schnalzen rissen die Seiten des Latexanzugs auf und gebräunte sofetische Pranken wurden herausgeboren, deren Finger sich verzweifelt krümmten wie Embryonen mit Gelbsucht. Siggi brüllte wie das zum Leben und Qualen erwachte Frankensteinmonstrum und hob sich mit den Armen vom Therapiesofa. Während das elektronische Falsett der Audiostimme zwischen Bandsalat und apokalpytischen Eiszeitvisionen wechselte, wand sich der Patient wie eine Made auf dem Boden im Versuch, seine Beine zu befreien.
»Haltet ihn fest. Um Gottes willen! Haltet ihn fest und fixiert ihn!«, schrie Dr. von Trasic. Doch Elvis lauschte verzückt der elektronischen Stimme. Sein gemurmeltes »Schnee und Eis« ging im Schreien und Wüten Siggis unter. Sarah versuchte Siggi mit Hilfe ihrer Peitsche zu fesseln, doch es war zu spät.
Mit einem Knirschen gerissenen Latex schossen behaarte Hitzestumpenbeine aus dem Hitzesack. Immer noch blind richtete sich Siggi auf, brüllte wie ein waidwundes Tier, stieß Sarah und Dr. von Trasic um und rannte hirschröhrend los. Auf seinem Weg riß er eine Stehlampe um, die am Boden zersplitterte und rammte den gläsernen Aktenschrank. Im ohrenbetäubenden Splittern von Holz und Glas riss ein Splitter das Latex im Kopfbereich auf. Für einen Moment waren Siggis rotleuchtende Augen zu sehen, in denen der Wahnsinn brodelte, dann orientierte er sich weniger mit Verstand als mit Instinkt und schoss auf die Tür zu. Der überlastete Patient, dessen zerbrechliche Seele unter dem eingebildeten Kälteschock wie Softeis unter einem Panzer zerquetscht worden war, riss an der Klinke und rammte die Tür auf. Die Tür schlug gegen die Wand und riß aus den Angeln, während Siggi mit infernalischem Brüllen an einer erschreckten Vorzimmerdame vorbei wie eine Latexmade aus der Praxis hüpfte, da die Knie immer noch vom Latexanzug zusammengeschnürt waren.

Dr. von Trasic stand mühsam auf, besah sich das Chaos aus einem zerstörten Glasschrank und einer Lampe, die funkenstiebend einen unnatürlichen Knick von 90 Grad aufwies. Der Totenschädelbemalte Elvis summte verträumt das Weihnachtslied „Let it snow“ und die Audioanlage befand sich in einem Zustand elektronischer Ekstase.
»Brrrzl … eine Omegalage wird die Eiszeit … fiep … beenden und bringt ab Montag … gruschel …Südlage mit 45 Grad Celsius«, soufflierte es hektisch, bevor die Audioanlage mit einem dumpfen Knall explodierte und das Sofa in Brand setzte.
Sarah erhob sich vom Boden und eilte davon, um den Feuerlöscher zu holen.
Dr. von Trasic kratzte sich am Kinn. »Schade. Das hätte Herrn Proller gewiss gefallen.«

Wir beenden hier unsere Rolle als stille Beobachter einer typischen Therapiestunde eines Sofeten bei einem Klimapsychologen. Fürs Erste genügt diese Szene, um einen Eindruck von den besonderen Schwierigkeiten und Umständen dieser wichtigen Integrationsarbeit zu bekommen.

Man hat gesehen, wie stark sich die einzelnen Komponenten des psychologischen Wirkungskreislaufs beim Sofeten durch hitzeinduzierte Aggression, Selbstversklavung an Sonne und Wärme*, intellektuelle Reduzierungsfolgen nach Dampfkochtopfzuständen des Gehirns beim sog. „Sonnenbaden“ gegenseitig steigern, bis aus einem halbwegs normalen Menschen eine Kreatur entstanden ist, die schädlich für die Gesellschaft ist – insbesondere während der globalen klimatischen Hitzeapokalypse.

Pessimisten behaupten, dass durch flirrende Hitze wankende sofetische Hitzezombies die Zukunft hier auf Erden sind und dass auch retrograde Entwicklungen der Evolution natürlich seien.
Doch die Klimapsychologen sind als Frontkämpfer bei der größten globalen Bedrohung der Menschheit Auge in Auge mit dem Feind der Überzeugung, dass die Menschheit gerettet werden kann, indem man den Sofeten als meinungsbildenden Faktor von einer degenerierten Kreatur zu einem Menschen mit normalem Klimaempfinden und zumindest akzeptabler Intelligenz therapieren kann.
Wünschen wir ihnen Glück – die Zukunft der Menschheit könnte davon abhängen!




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