Sofetische Heldentaten: Familienvater überlebt Spießrutenlauf durch den Regen

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Heldentat-Vollbringer: Otto Warmwickel mit soeben erhaltener Auszeichnung.
Heldentat-Vollbringer: Otto Warmwickel mit soeben erhaltener Auszeichnung.

Otto Warmwickel strahlt. Auf den Hawaii-Flip Flops wippend präsentiert er das sofetische Karibikverdienstkreuz 1. Klasse. Soeben ist er vom Zentralrat der Sofeten (Sommerfetischisten) mit höchsten Ehren ausgezeichnet worden.

Regen droht!

Die Ehefrau platzt vor Stolz und berichtet über die Heldentat: Ihr Mann, die Tochter Summer-Lily (sie klopft mit der gebräunten, lederfaltigen Hand auf das braungebrannte Kind mit gelbem „Summer fun“-T-Shirt) und sie waren zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Als der Zeitpunkt der Verabschiedung kam, verdeckten grässliche Wolken die lachende Sonne*. Sie schüttelt in der Erinnerung zitternd traurig den Kopf. Staub rieselt aus den Haaren zu Boden.

Die Ehefrau berichtet: So war das damals. Regen drohte! Lebensgefahr!
Die Ehefrau berichtet: So war das damals. Regen drohte! Lebensgefahr!

Die sofetische Geburtstagsgesellschaft schrie damals in Panik „Ein Gewitter kommt!“. Der Gastgeber bot aufopfernd natürlich den scheidenden Gästen an, im Schutz des 30-Grad glühenden Hauses zu bleiben, bis der Regen vorbei sei. Doch Summer-Lily musste doch morgen zur Schule.

Da lehnte Ihr Mann Otto jegliche Angebote ab, holte tief Luft und rief „Keine Sorge. Ich werde das Auto holen!“. Schockierte Stille machte sich nach diesen Worten breit, gefolgt von Protestgeschreien der Gastgeber. Das ist viel zu gefährlich. Der Regen! Man holt sich den Tod! Die Blitze! Der Donner!

Doch Otto Warmwickel schüttelte zeitlupenhaft den Kopf. Seine Frau flüsterte zaghaft in die Stille „Willst du das wirklich für uns tun?“ Otto Warmwickel fühlte eine Wärme* in sich aufsteigen, die sich zu der Wohnzimmerkernschmelze der Gastgeber addierte und nickte. Die Abschiedsszenen waren zu emotional, um sie hier wiederzugeben. Sie waren sich bewusst, es könnte der letzte gemeinsame Augenblick zusammen gewesen sein.

Spießrutenlauf durch den Schrapnellregen!

Dann wurden die ledrigen Lippen Otto Warmwickels zu einem Strich und er schritt entschlossen aus dem Hauseingang in den Wirkungsbereich der Wolken, aus denen es noch nicht regnete. Er hatte gerade die Hälfte der Strecke zum Auto absolviert, als die ersten Tropfen fielen. Er schrie laut auf, als die nasse Kälte seine glühende Haut traf und zischend verdampfte. Aus der Ferne hörte er seine Familie schreien „Oh mein Gott, Otto!“ und die Geburtstagsgäste „Ist der denn verrückt geworden? Das ist ja lebensgefährlich!“. Doch es war zu spät zum Umkehren!

Otto rannte im Zickzackkurs zum sonnengelben SUV und tatsächlich gelang es ihm im Regenschrapnellhagel lebend am Auto anzukommen. Fluchend suchte er in seinen Surferhosen nach dem Schlüssel und duckte sich an der Fahrertür in Deckung. Vor Kälteschmerz schreiend fischte er in letzter Not die Schlüssel heraus und rettete sich in das Auto.

Der die Sonne im Herzen trägt …

Mit einem schaudernden Blick auf den inzwischen wieder nachlassenden Regen, der die Strasse beinahe genässt hätte, fuhr Otto Warmwickel, nun als neugeborener Held zum Haus um seine Familie zu erretten. Übermütig betätigte er die Fanfare des SUV, die eine elektronische Version von Rudi Carrells „Wann wird es wieder endlich Sommer?“ ertönen ließ.

Fakt: Gegen Otto Warmwickel wirkt selbst Humphrey „Trenchcoatlusche“ Bogart wie ein Feigling.
Fakt: Gegen Otto Warmwickel wirkt selbst Humphrey „Trenchcoatlusche“ Bogart wie ein Feigling.

Seine Frau stürzte in den Wagen, bedeckte ihren Heldenmann mit Küssen und stammelte unter Tränen „Ich dachte, wir sehen dich nie wieder“. Doch Otto Warmwickel winkte bescheiden ab. „Nach jedem Regen folgt Sonnenschein“ produzierte sein UV-geschädigtes Gehirn ein überraschendes Zitat, das nach sofetischen Maßstäben einem Bonmot von Oscar Wilde gleichkam.

Der Gastgeber der Geburtstagsparty hatte schließlich die unglaubliche Geschichte dem Zentralrat der Sofeten mitgeteilt, deren Vorstand einstimmig beschloss, den Wagemut des Otto Warmwickel angemessen zu würdigen.

In seiner Sofetio würdigte der Vorsitzende den Wagemut Otto Warmwickels und dass er in einem Moment höchster Gefahr dem Kältetod ins Gesicht gelacht und sie alle mit seiner Tat beschämt habe. Von Otto Warmwickel sollten alle etwas lernen: Dass selbst wenn die Sonne* nicht lacht, man sie immer im Herzen tragen sollte – dann überlebt man auch Regen und Kälte!




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