Robert „Sonnenkönig“ Lewandowski führt den Absolutismus im Fußball ein

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Robert Lewandowski, in einem gefühlten Selbstporträt. Unter Verwendung: © pro2 auf en.wikipedia.org, Lizenz: CC BY-SA 4.0.

Polen ist bei der WM 2018 ausgeschieden.
Statt zu analysieren, woran das genau gelegen haben könnte, hat Robert Lewandowski sich mit dem Urteil „Ich wäre wütend auf mich, wenn ich Chancen gehabt und vergeben hätte. Ich bin ein Stürmer, der von Vorlagen lebt. Wir haben uns bemüht, aber ohne fußballerische Qualität kann man nichts ausrichten“ (Quelle: Kicker) zum Sonnenkönig erhoben, der ohne seine Lakaien, die beim Hinternabwischen des Königs versagen einfach kein richtiger König sein kann.

Unglücklicher Spaßmacher: Podolski.
Vergeblich verdrängter Stachel der Erinnerung: Lewandowski als Narr „Chancentod“ im dunklen Dortmund, erlöst von Jürgen Klopp.

Bevor wir vorschnell dieses Urteil Lewandowskis über seine Mitspieler als Arroganz auslegen, blicken wir doch auf seinen Werdegang: Als Chancentod jahrelang verspottet, wuchs Lewandowski in der fußballerischen Gosse, im Rinnstein von polnischen Klubs und Borussia Dortmund* auf, bevor bei letzterem Verein ein Jürgen Klopp ihn unermüdlich unter Einsatz tausender Trainingsstunden vom verspotteten Königsnarren erst zum Diener und dann in den Fußball*-Adel erhob.

Die bayrischen Doppelkaiser Hoeneß und Rummenigge waren im Sonnenland Bayern nun bereit, Lewandowski mit seinem prädestinierten, gottgleichen Schicksal zu versöhnen und stahlen ihn aus Dortmund in einer nächtlichen Nebelaktion. Fortan versank Dortmund in Dunkelheit und Kohlenstaub alter Tage.

In München aber herrschen andere Sitten! Als König hat man Anspruch auf allerlei Stiefellecker, man muss nicht einmal mehr selbst die Brötchen holen. Seinem Königsheil an Toren gerecht zu werden, fällt bei den Goldeselkäufen der Münchner mit 10 anderen Spielern, die nur die Aufgabe haben, den Ball millimetergenau auf einem Tablett zu kredenzen, leicht.
Aus dieser Perspektive ist für jeden an pathologischem Größenwahn Leidenden Lewandowskis sinngemäßer Ausruf „Auf das Personal heutzutage ist kein Verlass mehr!“ unter empathischen Tränenkaskaden absolut(istisch) nachvollziehbar.

Applaus! Hier hat ein polnischer Fußballspieler endlich begriffen, wie man sich einem Robert Lewandowski zu nähern hat!
Applaus! Hier hat ein polnischer Fußballspieler endlich begriffen, wie man sich einem Robert Lewandowski zu nähern hat!

Doch man muss auch verstehen, woher Lewandowskis Nationalmannschaftsleiden rühren. Polen ist für Lewandowski eine harte Erinnerung, woher er wirklich stammt: Aus der fußballerischen Gosse. Für einen selbsternannten Münchner Sonnenkönig, um den sogar das heilige Spanien buhlt, muss doch dieser olfaktorisch beleidigende Amateurgestank und diese Unfähigkeit seiner Mannschaftslakaien unerträglich sein. Für einen Selbstwahrnehmungsgott wie Lewandowski ist das Vorhandensein von nicht nur „Wasserträgern“, sondern von „Kotträgern“, welche das eigene fußballerische Gewissen abzugeben haben, um sklavisch einem Rasengottkönig mit jeder Faser eines Passes selbstlos zu dienen, ein genuiner Bestandteil des Universums, in dem er selbst die Sonne* ist.

Heute, wo er nicht mehr selbst deutsche Autos klauen muss, sondern sich beliebig viele selber kaufen kann, damit sie ihm gestohlen werden könnten in potentia, braucht ein Robert Lewandowski eine Nationalmannschaft wie den FC Bayern*: Mit Geld zugeschüttet wie der Sonnenkönig, den Sport dabei ausblutend wie Ludwig XIV. sein Volk und ein Heer von fähigen Lakaien, die allein dazu dienen, ihm die Tore zu ermöglichen, die ihn statt von Gottes dann von Tore Gnaden zu einem Sonnenkönig legitimieren.

Oder sollte Robert Lewandowski tatsächlich auf den unerhörten Gedanken kommen, dass der Fußball* nicht existiert, um Robert Lewandowski zum Gott zu überhöhen? Handelt es sich womöglich um einen Mannschaftssport, bei dem alle nach bestem Wissen und Gewissen ihr individuelles Potential einbringen, um als Mannschaft mehr zu sein als die Summe ihrer Teile?
Aber dies würde Robert „Sonnenkönig“ Lewandowski wohl als Gotteslästerung empfinden, als geradezu demokratische Anarchie in einer stabilen Tyrannis des Geldes und als bourgeoise Revolte des Fanpöbels. Vielleicht brauchen wir einen Robbespierre, der die Dinge ohrfeigeneskalierend wieder gerade rückt. Aber das überlassen wir besser den Polen.




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