Maradona, der neurotische Puffball, ist geplatzt

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Jeder kennt einen Antistressball*, der im Büro vor fatal gesteigerten Aggressionen schützen soll. Mann kann ihn schlagen, knuffen und puffen, weswegen er auch Puffball genannt wird.

Maradona in anderer Form: Antistressball für kindliche Gemüter.
Maradona in anderer Form: Antistressball für kindliche Gemüter.

Argentinien hat seit einigen Jahren eine fast menschliche Version des Puffballs ungewollt entwickelt: Maradona, der ehemalige Weltfußballstar aus der Steinzeit der 80er Jahre hat sich unter Einsatz von Drogen und einem hyperaktiven Hineinsteigern in emotionale Grenzbereiche des menschlichen Wahnsinns der rationalen Teile seines Gehirns entledigt.
Um Emotionen zu filtern, benötigt ein normaler Mensch den Frontallappen seines Gehirns als Ort rationalen Denkens. Da dies bei Maradona fehlt, erfolgt in einer epileptischen Direktschaltung die Sendung der Emotionen direkt in die zuckenden Gliedmaßen und die ausufernde Gesichtsmimik.

Als auf diese Weise neugeborener ADHS-Fanzombie des Fußballs* dient er einer ganzen Nation als epileptischer Blitzableiter.

Deutscher Versuch, Maradonas Gesichtsverkrampfungen nachzuahmen. Der Erfolg bleibt nicht aus: Ebenso wie Argentinien ist Deutschland bei der WM 2018 gescheitert.
Deutscher Versuch, Maradonas Gesichtsverkrampfungen nachzuahmen. Der Erfolg bleibt nicht aus: Ebenso wie Argentinien ist Deutschland bei der WM 2018 gescheitert.

Ob er als voodooesker Pseudopriester vor dem Spiel Götter anbetet, die Sie nicht wirklich kennenlernen möchten oder ob er nach entscheidenden Toren mit Wurstmittelfingern den Gegner zum Kauf von Fleischwaren auffordert: Immer durchlebt er pars pro toto die perversesten Gefühlswelten einer ganzen Nation, die jeder andere in die hinterste Schublade mit der Beschriftung „Emotionale Perversionen“ seines Neokortex einschließt und tunlichst vergisst.
Der Preis dafür ist lediglich der komplette Spontanverlust jeglicher Rest-Achtung vor Maradona. Für die Argentinier ist er ein psychologisch sinnvoller Puffball, für alle anderen ein Pausenclown, der Seelenstriptease in neue Dimensionen der Widerwärtigkeit hebt, die nie ein Altstar zuvor durchlebt hat.

Klassischer Therapievorschlag, um zuckende Gliedmaßen und Drangwandern zu unterbinden.
Klassischer Therapievorschlag, um zuckende Gliedmaßen und Drangwandern zu unterbinden.

Auch Trainer Sampaoli scheint von einem ähnlichen Verhalten kontaminiert zu sein. Wie ein Joe Cocker des Fußballs* drangwandert er mit seltsam x-beinigen Armen in seinem Coaching Zone-Käfig, obwohl auf dem Feld soeben die 132. Spielunterbrechung erfolgt.
Ein ähnliches Verhalten ist bei durch ihre Gefangenschaft wahnsinnig gewordenen, bemitleidenswerten Zootieren oder auch bei Insassen psychiatrischer Anstalten zu sehen.
Man wird unwillkürlich an das alte deutsche Märchen Rumpelstilzchen erinnert, bei dem sich die protagonistische Figur selbst vor Wut in de Körpermitte auseinanderreißt. Und irgendwie erwartet man dies mit angehaltenem Atem immer wieder, wenn man Sampaoli mit wutrotem Kopf beim epileptischem Drangwandern sieht.

Das Universum gleich bekanntlich alles auf Dauer aus.
Möglicherweise sind daher Maradona und Sampaoli das natürlich entstandene Gegengewicht zu dem phlegmatischen, depressiven und stillen eigentlichen Helden Lionel Messi, der in der Nationalmannschaft immer mehr die Rolle eines Donald Duck einnimmt während seine Seele wie Edvard Munchs „Der Schrei“ aussieht.

Maradona: Inzwischen ist der Puffball explodiert. © <a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/66463488@N06/7448910198">Doha Stadium Plus Qatar auf flickr.com</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>.
Maradona: Inzwischen ist der Puffball explodiert. © Doha Stadium Plus Qatar auf flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0.

Doch Argentinien ist nun gegen Frankreich im Achtelfinale ausgeschieden. Sampaoli (argentinisch für „dämlicher Zampano“) wird vermutlich sich nun in der Kabine vor Wut zerreißen, weil er aus Spielerstroh kein Fußballgold gewoben hat und tatsächlich nun jeder seinen Namen kennt – als Versager.
Maradona aber wird überwältigt von seinen unzählbaren Neurosen in einem zuckenden Wurstfingerball explodieren. Und Messi? Messi wird in den Sonnenuntergang der argentinischen Steppe reiten und nicht mehr wiederkehren.

Wie bei allen mythischen Figuren wird es uns jedoch nicht verwundern, eine Wiedergeburt der einen oder anderen argentinischen Heldenfigur zu erleben. Spätestens bei der WM 2022 in Katar, was selbst schon die passende verstandesabstinente Idiotenbühne ist, die nach neurotischen Charakteren geradezu schreit.




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