HSV-Legenden kritisieren Weggang von „Vorbild“ Westermann

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Heiko Westermann: Opfer der HSV-Qualitätsvernichtungsmaschine. © Die Elektrische Orange auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY 2.0

Drei sogenannte „HSV*-Legenden“ namens Willi Schulz, Ditmar Jakobs und Uwe Seeler haben den HSV für den Weggang von „Vorbild“ Heiko Westermann kritisiert.
Die Kritik ist ernstzunehmen, immerhin haben die drei in Zeiten gespielt, als man noch in Zeitlupe kickte und da Uwe Seeler in seiner nuscheligen Art eines ewigen TV-Märchenonkels als authentisch hamburgerisch gilt.

Denn Heiko Westermann ist in der Tat ein Vorbild für den HSV.

Als er 2010 vom FC Schalke* 04 zum HSV* wechselte, war er ein Shootingstar im Abwehrbereich, hocheffizient, sogar torgefährlich und Nationalspieler. Die Verzweiflungs- und Inkompetenzmaschine HSV* machte in dem ihm eigenen Seuchenautomatismus aus diesem gestandenen Spieler ein umherirrendes Abwehrhuhn, das mehr Vorlagen für den Gegner generierte als für die eigenen Jungs.

Erschreckender Vergleich der Gesichtsmuskulatur-Morphologie bei einem erfolgreichen Bundesliga-Spieler (links) und nach Beitritt zum HSV (rechts).
Erschreckender Vergleich der Gesichtsmuskulatur-Morphologie bei einem erfolgreichen Bundesliga-Spieler (links) und nach Beitritt zum HSV* (rechts).

Man spürt schnell die Umstellung der Handhaltung. Statt Hochreißen der Arme und Trainieren der Lustmuskulatur im Gesicht neigt der Körper plötzlich dazu, die Hände in die Hüften zu stemmen, um nicht sich auf den Boden zu werfen und zu heulen. Das Gesicht erschlafft in der klassischen Frustrationsmaske herunterhängender Wangen und Augenringe„, so ein ehemaliger HSV*-Spieler im anonymen Interview.
Mediziner konstatierten bei HSV-Spielern eine eklatante Zunahme an Hüftschädigungen und nicht wenige waren gezwungen, eine logopädischen Therapie zu besuchen, um die Folgeschäden aus der Gesichtsmuskelerschlaffung und der ungewollten Übernahme hanseatischer Sprachvergewaltigung zu beseitigen, um die Karriere überhaupt woanders fortsetzen zu können.

Auch die vorbildliche Ausdauer, dem Gott Narziss zu huldigen, ist bei Westermann beobachtet worden. Immer wieder versuchte er das sich lichtende Haupthaar zu bedecken, indem er schweißnasse Strähnen quer über die kahle Blöße legte, wie eine Pioniertruppe der Bundeswehr verzweifelt versucht, Hängebrücken über ausgedörrte Flussbette zu errichten. Für das HSV-Publikum sind solche Ablenkungen lebensnotwendig, richten sie den Fokus doch fort vom nur schwer zu ertragenden HSV-Fußball*!

Auch andere Spieler sind ein leuchtendes Vorbild des HSV!

Doch was ist mit den anderen Vorbildern des HSV, die einen ähnlichen Werdegang aufweisen? Darf man sie ungefragt gehen lassen und nur am „König der Fehlpässe“ Westermann, der eine lange und hart erstrebte Karriere vom National- zum HSV-Spieler hinter sich hat, festhalten?

Blicken wir doch auf die lange Reihe hart erarbeiteter Versagerkarrieren: Lewis Holtby, einst ein gedankenschneller, effektiver Mittelfeldmotor – seit dem Beitritt zum HSV ein Standgebläse, das verwirrt den Konterferraris fahrenden Gegnern kopfkratzend hinterherblickt.
Oder Nicolai Müller. Beim FSV Mainz* ein geradliniger Offensivspieler mit Wucht und Willen. Seit dem Beitritt zum HSV mit so viel Wucht wie ein pappiges Hamburger Fischbrötchen. Man könnte sagen, es handelt sich um den Antipoden zu Bayerns Thomas Müller. Dabei war auch Nicolai Müller in der Schlußphase bei Mainz Nationalspieler.

HSV: Das alte Fischbrötchen schmeckt nicht mehr!, © <a href="https://www.flickr.com/photos/fihu/142077032/" target="_blank" rel="noopener">Fihu auf www.flickr.com</a>, Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/" target="_blank" rel="noopener">CC BY-SA 2.0</a>
HSV: Das alte Fischbrötchen schmeckt nicht mehr!, © Fihu auf www.flickr.com, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Und natürlich Raffael van der Vaart. Einst ein Held in Hamburg, heute ein genialer Selbstdarsteller, der nach einfachsten Elfmetertoren mit Jubel glänzt, indem er mit niederländischen Käsedaumen auf seinen Rücken zeigt, wo sein Name steht.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Gibt man bei Google „HSV Fehleinkäufe“ ein, finden sich 40.500 Treffer, während die gleiche Suche beim FC Bayern* nur 5.980 Ergebnisse auswirft. Rudnevs, Aogo, Beister, Paul Scharner, ja selbst einem Weltklassemann wie Rene Adler gelang es endlich, amateurhafte Fehler in sein Spiel zu streuen und erfolgreich aus der Nationalmannschaft zu fliegen. Jiracek, selbst ein Ivica Olic, dazu dutzende Spieler in der Zeit seit 2007 – allesamt Vorbilder der Arbeit des HSV. Es stimmt traurig, dass nur Heiko Westermann und seinen Fehlpässen nachgetrauert wird von Legenden, die mit ihrem Statement beweisen, dass der Niedergang des HSV bereits mit der Bundesligazugehörigkeit begonnen hat und in seinem Wesen liegt und die Meistertitel nur unrühmliche Ausrutscher waren, die nicht als Vorbildcharakter taugen.

Doch wer weiß? Vielleicht möchte Heiko Westermann ja gar kein „HSV-Vorbild“ mehr sein und seine sich im Abendrot befindliche Karriere wieder in die Hand nehmen und Qualität auf den Platz bringen, wie es noch auf Schalke gewesen war? Nachvollziehbar erscheint es und wir wünschen Heiko Westermann auf diesem Wege alles Gute für die Zukunft. Das Verdun des Fußballs liegt nun hinter ihm und er marschiert wieder im fischgeruchfreien Sonnenschein.

Was den HSV angeht, so möchte man ihm und Trainer Labbadia sowie dem Boss Dietmar Beiersdorfer wünschen, dass sie weniger auf Vorbilder achten als auf etwas, was jenseits des HSV vorbildlich ist: Kompetenz, Bescheidenheit, harte Arbeit und wegweisende, kluge Entscheidungen. Dann ist der HSV auch eine Bereicherung für die Bundesliga und das Fischbrötchen schmeckt endlich wieder!




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