Fußball-Luschokratie: Von Heulsusen und Herzchenjublern

0
134
Wenn die Maniküre wichtiger ist als die Fähigkeit zur Lebensnormalität: Das neue Selbstbild der Fußballer.
Wenn die Maniküre wichtiger ist als die Fähigkeit zur Lebensnormalität: Das neue Selbstbild der Fußballer.

Angesichts von Vidals tränenerstickter Pressekonferenz zu seinem Autounfall mit reichlich Alkohol im Blut wird es Zeit für eine Bestandsaufnahme der Gefühlswelten im Fußball*.

Wer erinnert sich noch an frühere Zeiten, als sich Kanten wie Dieter Hoeness mit noch blutendem Turban Zwiebelsaft in die Augen träufeln mussten, um überhaupt grundlegende Emotionen zu zeigen?

In England freilich ändert sich nichts. Unverändert die Zeiten, als „Vinnie, die Axt“ beherzt in die Königsglocken der Gegner griff mit dem Ziel, echte Männer zu finden. Ungefragt wurden Schädel an Torpfosten gerammt, und wenn der Gegenspieler in Zeitlupe mit der Backe entlang des Pfostens zu Boden sank, quittierte dies der schmunzelnde Täter mit einem anzüglichen und aussagekräftigen „Well!“, bevor ihm Gleiches etwas später widerfuhr und alle zusammen sich bei der Afterwork-Puborgie betranken.

Typischer Englischer Fußballer beim ekstatischen Torjubel, © <a href="http://maggot-magnet.deviantart.com/art/Heavy-Untooned-495304494" target="_blank" rel="noopener">Maggot-Magnet auf deviantart.com</a>, Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/" target="_blank" rel="noopener">CC BY 3.0</a>
Typischer Englischer Fußballer beim ekstatischen Torjubel, © Maggot-Magnet auf deviantart.com, Lizenz: CC BY 3.0

Doch in Europa und auch in Deutschland ist nach sieben Jahrzehnten feministischer Indoktrinierung und zivilisatorischer Dekadenz der moderne Mann ganz anders: Er rasiert seine Männlichkeit gleichsam mit den Haaren ab, auf die er früher stolz war. Kaum noch überlebensfähig in persönlichen Krisen zerfließt der Fußballer in öffentlichen Eigendemontagekonferenzen. In wimmerndem Seelenstriptease gilt es, ein Höchstmaß an metaphorischen Peitschen eines modernen Flagellantismus zu erreichen, peinlichste Gefühle in endlosen Heulkatarakten zu beteuern und jeden, von Gott bis zum quotenkompatiblen Eingeborenen im Busch, der sich einen Dreck um Fußball* schert, um Vergebung zu bitten.

Und was ist das Schlimmste daran? Es ist nicht einmal geheuchelt, sondern diese sich in Windeseile füllenden menschlichen Schnulzenkaraffen meinen es sogar ernst und entehren ihre Väter und Vorgänger (für deren „beschämende Härte und „emotionale Inkompetenz“ sie sich auch noch nachträglich entschuldigen).

Emotionaltrainerin: Die Kunst, auch in aggressiven Momenten zu lächeln, © <a href="https://flickr.com/photos/pixel_addict/289783131" target="_blank" rel="noopener">Pixel Addict auf www.flickr.com</a>, Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener">CC BY 2.0</a>
Emotionaltrainerin: Die Kunst, auch in aggressiven Momenten zu lächeln, © Pixel Addict auf www.flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0

Für alle Männer, die in kurzen Phasen der Erleuchtung Gefahr laufen, wieder zu Männern zu werden, gibt es heute Emotionaltrainerinnen. Mit perfiden psychologischen Tricks wecken sie das Weichei im Mann und verankern es fest in den neurotischen Tiefen der weiblichen Seite im Mann, die sonst zu recht verdrängt wird, damit der Mann funktionieren kann.
Wenn dann endlich der emotionale Mann seine Geburt erreicht wie ein tränenüberströmter Phönix aus der Asche seiner männlichen Reste, um seines Feuers beraubt zu einem Psychowrack zu mutieren, setzen die Frauen den Gnadenstoß und bemängeln, dass es einfach keine echten Kerle mehr gäbe.

Peinlichjubler und Stehpinkler

Das Jubeln hat sich als emotiver Ausdruck männlichen Erfolgsempfindens gleichsam grundlegend geändert.
Die Generationen der 1960 bis 1980er Jahre jubelten noch kernig mit Gesten, die an unsere evolutionären Vorfahren erinnerten und bei denen breitbeinige Stellungen, Muskelspiel wie kopulierende Bierflaschen sowie ein Vollstreckerblick, bei dem Dirty Harry erblassen würde, eine große Rolle spielten.

Heute werden mit einem zart-emotiven Lächeln, bei dem das Mitleid mit dem Gegner ebenso zum Ausdruck kommt wie ein verschämter Schuldkomplex über die eigene Untat, die zarte Seele des sportlichen Gegners verletzt zu haben, Sprünge ausgeführt, die an Pirouetten im Ballett erinnern – mit abgeknickten Handgelenken und geziertem, abgespreiztem kleinem Finger. Demnächst wird gewiss ein rosa Tütü offiziell erlaubten Eingang in das parfümierte Kaleidoskop moderner Jubelsitten finden.

Oliver Kahn: Kein Gorilla, sondern die alte Schule als Vorbild.
Oliver Kahn: Kein Gorilla, sondern die alte Schule als Vorbild.

Vor diesem Hintergrund wurde Oliver Kahn oft als rückständiger „Gorilla“ und unzeitgemäße „Steinzeitfresse“ betitelt. Dabei hätte er früher als Lusche gegolten. Zugegeben: Sein Jubel mit einer Eckfahne in unanständig liegender Position wird aufgrund des Phalluscharakters der Fahne der heutigen Homosexualitätanerkennung gerecht.
Früher allerdings sah man Fussballer nach einem Tor infernalisch brüllen, dass Atemdampf wie Nebel aus den Nüstern schoss und rotglühende Augen den Rasen in Brand setzten wie auch die Herzen der Fans.

Heute nehmen pirouettierende Herzchengesten-Jubler, Vereinswappenküsser, Babywiege-Jubelgruppen und Daumenlutscher-Schnulzen ihren Platz ein.

Pressekonferenzen wie jene von Vidal sind zur Norm geworden. Vor kurzem noch hatte man den Eindruck, dass alle paar Tage eine PK mit einem Homosexuellen-Outing stattfand, um die Likes der eigenen Facebookseite um ein paar Millionen anbiedernde Heuchler zu erhöhen.
Die gesellschaftliche Anerkennung der Homosexualität ist wichtig, keine Frage, und wer glaubt, dass Homosexuelle alle „Tunten“ sind, der hat noch nicht die Männlichkeit eines Freddie Mercury begriffen. Aber muss das in gefühlt tausenden Pressekonferenzen öffentlich geschehen?

Löw: Steht ein Outing als Stehpinkler bevor? © <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Joachim_L%C3%B6w,_Germany_national_football_team_(06).jpg" target="_blank" rel="noopener">Steindy auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener">CC BY-SA 3.0</a>
Löw: Steht ein Outing als Stehpinkler bevor? © Steindy auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Was erwartet uns noch? Wird bald Jogi Löw unter Tränen sich outen, dass er ein Stehpinkler ist und anschließend demütig 1 Million Euro Sühneleistung und seine WM-Medaille öffentlichkeitswirksam der Zeitschrift „Emma“ von Alice Schwarzer spenden?

In der Gesellschaft existiert längst ein nazigleicher Gleischaltungszwang zur Unterstützung von quotenkompatiblen Opferrollen, weil diese von Massen-Neurosen durchlöcherte Gesellschaft nicht mehr die Stärke hat, andere und auch falsche Meinungen zu ertragen und sonst bei Auflösung des dünnen Gerüsts aus Tränenheuchelei in sich zusammenstürzt.
Dass in solchen Epochen korrupte Blender diverser Fußballverbände leichtes Spiel haben, verwundert nur noch die Naiven.

Wenn uns die Geschichte allerdings eines lehrt, dann, dass Mentalitäten und Epochen sich wandeln. Und vielleicht wird es eines Tages ein Ende von geleckten Ronaldo-Selbstdarstellern, peinlichen Herzchenjublern und heulenden Fußballern auf Pressekonferenzen geben. Dann wird es Zeit für eine neue Satire auf die kantigen Betongesichter 😉

Lasst uns darauf mit einem parfümierten Prosecco mit rosa Schirmchen, versteht sich, gemeinsam anstoßen!




Hat Ihnen der Artikel gefallen? Als Einzelkämpfer bin ich für jede Unterstützung dankbar, damit auch weiterhin dieses Internetprojekt aufrechterhalten wird. Danke!