Bräunungscreme nicht von Fäkalien zu unterscheiden!

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Schlechte Nachrichten für Sofeten und ihren Bräunungswahn ... © carlox-malora auf www.deviantart.com, Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/, hier: Ausschnitt verwendet.
Schlechte Nachrichten für Sofeten und ihren Bräunungswahn ... © carlox-malora auf www.deviantart.com, Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/, hier: Ausschnitt verwendet.

(Anlass dieses Artikels war folgende Meldung, die ich erst für Satire hielt: http://www.gofeminin.de/beliebt-im-netz/baby-bekommt-braeunungsspray-ab-s1507275.html. War es nicht.)

Selbstbräunungscreme "Braune Seuche", © Heckos89 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC By-SA 3.0
Selbstbräunungscreme „Braune Seuche“, © Heckos89 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC By-SA 3.0

Sommerfetischisten müssen jetzt ganz stark sein!
Das Frasenius-Institut hat herausgefunden, dass sich Bräunungscremes (sog. „Selbstbräuner“) der Marke „Braune Seuche“ zu 100% aus Fäkalien zusammensetzen. Nachdem die Herstellerfirma „Sofeta AG“ mit Anwälten drohte, nahm das Frasenius-Institut eine wissenschaftliche Vergleichsanalyse vor, welche allerdings ergab, dass sich auch die reale, natürliche Hautbräune des durchschnittlichen Europäers sich nicht von verschiedenen Abkotungsstufen unterscheidet.
In einer Pressemitteilung des Frasenius-Instituts hieß es draufhin, dass „[…] jeder das Recht auf einen schlechten Geschmack und den bewussten Verzicht auf ästhetische Prinzipien habe und die Firma Sofeta AG nachweislich ausschließlich biologische und somit umweltfreundliche Inhaltsstoffe verwende.“

"Braune Seuche" ermöglicht eine völlig gleichmäßige und daher natürliche Hautfärbung. Beeindruckend. © <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Vitiligo#/media/File:Vitiligo2.JPG" target="_blank" rel="noopener">James Heilman, MD auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener">CC BY-SA 3.0</a>
„Braune Seuche“ ermöglicht eine völlig gleichmäßige und daher natürliche Hautfärbung. Beeindruckend. © James Heilman, MD auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Dennoch schlägt die Diskussion rund um die Bräunungscreme nach wie vor hohe Wellen.
In einer Talkshow soll ein Vertreter des Unternehmens ausfällig geworden sein und ein bleichhäutiges Mitglied der Grünen mit den Worten „Gebt den Leuten, was sie wollen. Sie wollen scheiße aussehen, wir machen es möglich“ angebrüllt haben. Eine eilige Pressemitteilung revidierte die Aussage kurz darauf und stellte klar, dass Herr Hanfschmack lediglich feststellen wollte, dass die Bräunungscreme 100% aus Biomaterialien besteht und somit auf vorbildliche Weise das Aussehen optimiere und zudem sogar für Allergiker geeignet sei.

Der stechende Geruch, den daraufhin viele Probanden bemängelten, konnte nicht nachgewiesen werden, weil die olfaktorischen Detektoren durchbrannten. Vertreter des Unternehmens versicherten jedoch, dass jegliche Geruchswahrnehmung nur die Folge von Selbstbeeinflussung durch Lesen des Beipackzettels mit den biologischen Inhaltsstoffen sei. Im übrigen sei dies unter den harmlosen Nebenwirkungen aufgeführt.

Die Bundeskanzlerin Dr. Mangela Erkel dankte öffentlich im Bundestag dieser Firma, die eine braune, unnatürliche Hautfarbe jetzt jedem deutschen Bürger ermöglicht und so die Integrationspolitik der Bundesregierung von der anderen Seite her aufrolle und zu einer neuen Verständigungsebene zwischen Deutschen mit Migrationshintergrund und Deutschen mit Bräunungshinderungsgrund führe.

Der Verband der deutschen Schriftsteller e. V. begrüßte den Boom der Creme mit den Worten „Früher hieß es über einen schönen, aber dummen Menschen „Das Äußere wie parischer Marmor, aber das innere voller Unrat. Es ist tröstlich zu erfahren, dass durch die revolutionäre Bräunungscreme dieser Gegensatz zugunsten einer umfassenden Harmonie von Außen und Innen nun eliminiert werden konnte.“

Demonstrant pro "Sofeta AG" mit einem Vorzeigebeispiel für die Selbstbräunungscreme in der Variante "Hämorrhoiden-Blutsturzschwarz". © <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:NYC_West_Indian_Day_Parade_2_Shankbone_2009.jpg" target="_blank" rel="noopener">David Shankbone auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener">CC BY 3.0</a>
Demonstrant pro „Sofeta AG“ mit einem Vorzeigebeispiel für die Selbstbräunungscreme in der Variante „Hämorrhoiden-Blutsturzschwarz“. © David Shankbone auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY 3.0

Umfangreiche Befragungen der Frauenzeitschrift* „Nostra Sofete“ in der Bevölkerung bestätigten die Beliebtheit der braunen Körperfarbe. Bei Vorlegen von 24 verschiedenen Gesichtern mit Bräunungen von Fettstuhl-hellbraun bis hin zu Hämorrhoidenblutsturz*-Schwarz waren die beliebtesten 24 Gesichter alle von brauner Hautfarbe.

Massive Kritik von Ärzten, dass braune Haut ein Alarmsignal auf die Bombardierung mit gefährlicher, krebserregender UV-Strahlung sei, die immerhin jedes Leben auf allen anderen Planeten unseres Sonnensystems durch Zellzerstörung vernichtet habe, wiesen Sprecher des Unternehmens scharf zurück. Braune Haut sei allein die Folge des Gottesplans, dass der Mensch schön und gottgleich aussähe ganz im Sinne der seriösen Kreationisten-Lehre. Einem Zuschauerzwischenruf „Das ist alles Scheiße“ konnte der Sprecher jedoch in jeglicher Hinsicht zustimmen.

Eine offene Aussprache mit Kritikern förderte am Ende in einer gemeinsamen Presseerklärung zutage, dass „auch ohne die Bräunungscreme durch Aufenthalt in der Sonne* eine zu 100% authentische Fäkalienfarbe erreicht werde, mit der Bräunungscreme dieser Effekt jedoch rascher erlangt werden könne und sich beide Bräunungsformen nicht voneinander unterscheiden.“

Der Zentralrat Deutscher Sofeten hatte mit einem Argument das letzte Wort, dessen Konsequenz beispiellos ist: „Solange das angestrebte Ideal schwarzverbrannten Fleisches erreicht wird, sind die Mittel gleichgültig. Wir danken daher der Sofeta AG für Ihre bemerkenswerten Bemühungen zu einem äußeren Erscheinungsbild der Menschen, das dem Klimawandel angemessen ist.“




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