10 Vorteile eines Lebens in der Klimakatastrophe

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Wenn keine Hoffnung mehr ist, hilft nur noch sinnloses Wüten; © Carl-Ludwig Poggemann auf flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0, hier: Ausschnitt genommen
Wenn keine Hoffnung mehr ist, hilft nur noch sinnloses Wüten; © Carl-Ludwig Poggemann auf flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0, hier: Ausschnitt genommen

Was schimpfen wir nicht über die Klimakatastrophe. Wie schlimm sie sei, dass sie gefährlich ist und ein Schaden für die Gesellschaft und eine gesundheitliche Belastung. Wir rühmen uns zeitgleich der Fähigkeit zur Reflexion. Also wenden wir sie doch einmal an! Und bedenken, dass es im Leben in der Klimakatastrophe auch Vorteile gibt!

Versiegter, städtischer "Zen-Brunnen" mit Schloss, um den Diebstahl von hypothetischem Wasser zu verhindern
Versiegter, städtischer „Zen-Brunnen“ mit Schloss, um den Diebstahl von hypothetischem Wasser zu verhindern.
1. Neue Kunstformen und Gartensitten

Hitzeverbrannte Vanitasbäume werden künstlerisch wertvoll ein Zeichen der Vergänglichkeit von allem und eine Mahnung an unreflektierte Sofeten. Das Versiegen von banalen städtischen plätschernden Brunnen führt zu einer Metamorphosis in „Zen-Brunnen“ und lädt bei 50 Grad und gleißender Sonne* zur Kontemplation über das Nichts ein.

Frühere Telekom-Telefonzelle, wird heute zur Notfall-Klimazelle umfunktioniert (Bild von 1989 - man beachte: Der Rasen ist grün!)
Frühere Telekom-Telefonzelle, wird heute zur Notfall-Klimazelle umfunktioniert (Bild von 1989 – man beachte: Der Rasen ist grün!)
2. Praktisch: Telefonzellen werden zu Notfall-Klimazellen

Ausgediente Telefonzellen der Telekom werden zu mobilen Notfall-Klimazellen umgebaut, damit keine Todesfälle auf dem Weg zum Bäcker erfolgen. Die erforderlichen Kosten für den Umbau und den Einbau einer Klimaanlage* wird über die Erhebung einer Sofetenkopfsteuer erhoben. Jeder, der ein Solarium betritt oder einen Sonnenbratstrand wird elektronisch erfasst und Klimasteuerpflichtig.

Das neue Sexsymbol: Gewitter über dem verbrannten Deutschland.
Das neue Sexsymbol: Gewitter über dem verbrannten Deutschland.

Künftig nur alle 1000 Jahre einmal, aber tödlich: Schneefall.
Künftig nur alle 1000 Jahre einmal, aber tödlich: Schneefall.
3. Donnernder Gewittersex

Orgasmussteigerung ohne Viagra*, nur durch das Wetter*: Bisher weit außer Reichweite befindliche, Gestalt gewordene feuchte Erotikträume geraten jetzt überraschend in ihre unmittelbare Nähe, weil seltene reale Kaltwetterereignisse solcherlei unanständige Fantasien ersetzen und weit übertreffen.
Wenn Sie vier Monate am Stück nur 50 Grad, blauen Himmel und UV-Dauerkrebstherapie der gelben Seuche hinter sich haben, fangen Sie an zu fantasieren. Sie sehen Wolken, wo keine sind, jubeln wenn sie Tropfen auf den Armen spüren (dabei war es nur der Niesanfall ihrer Tochter). Schließlich beten sie heimlich und geißeln sich, flennen und flehen, nur damit es endlich Regen und Kühle gibt. Wenn sich ihre Hoffnung dann tatsächlich einmal im Jahr erfüllt und sich richtig Gewitter entladen, wenn sich der Himmel endlich zuzieht, wenn es schüttet oder einer der seltenen Kaltlufttröge kommt, dann entladen sich in ihrem Körper durch den sofortigen Abbau von Verzweiflung, Wut und Hitzegrauen spontan unvorstellbare Orgasmen.
Das Problem ist dann zwar, dass man vor lauter Orgasmen kaum noch dazu kommt, die Kaltwetterereignisse eingehend und still zu bewundern, aber sei’s drum. Schneefall (sie erinnern sich: Das ist gefrorener Regen, der früher im Winter vom Himmel fiel und die Landschaft verzauberte) könnte allerdings einen solchen Lust-Overkilleffekt ergeben, dass man spontan an Herzrasen stirbt, sobald man die Schneekristalle erblickt. Die Chance für ein solches Ereignis beträgt statt wie früher 1:1 allerdings mittlerweile 1:1000 und wird daher zu ihren Lebzeiten vermutlich nicht stattfinden. Also nur die Ruhe!

Beruf der Zukunft: Wasserverkäufer!
Beruf der Zukunft: Wasserverkäufer!
4. Beruflich eröffnen sich neue Chancen!

Simple Gemüter verdingen sich als Spezialisten, um Sofeten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Billig gepanschter Alkohol in Eimern mit Strohhalmen findet bei jüngeren Sofeten reißenden Absatz. Tipp: Mit billigen, zotigen Schenkelklopfern finden Sie noch mehr Abnehmer, wenn Sie den Selbstekelfaktor ertragen können, sich an dieses Hitzeperversengeschmeiss so anzubiedern.

Entspannter und sozialverträglicher geht es als Wasserverkäufer zu. Retten Sie auf dem kochenden Asphalt der Sofetenstädte verdurstende normale Menschen und verdienen sich gleichzeitig eine goldene Nase dabei.
Wer es anspruchsvoll mag, spezialisiert sich als Hautarzt – die Hautkrebsraten werden analog zu Temperaturen und CO2-Werten in astronomische Bereiche schießen!

Typisch deutscher Vorgarten im Jahr 2043.
Typisch deutscher Vorgarten im Jahr 2043.
5. Keine quälende Gartenarbeit mehr

Hitze bedeutet Leben. Zumindest, wenn man dem infantilen Geschwätz der Sofeten glauben möchte. Wir wissen es besser und haben die Vegetation in Deutschland im Sommer 2015 erlebt, wie auch die Bilder aus Kalifornien, das im Zeitraffer zur Wüste wird, woraufhin wahnsinnige Amerikaner ihren Rasen mit Farbe grün färben.
Der Vorteil: Baumschnitt und Rasenmähen und all die quälende Gartenarbeit wird spontan überflüssig, wenn die sengende Sonne* innerhalb eines Klimakatastrophentages die Hecke durch Selbstentzündung spontan brandrodet und das narzisstische Grün des Rasens sich beim Zusehen in ein angenehm zurückhaltendes stumpfes Braun verwandelt.

Der Durchschnitts-IQ wird sinken ...
Der Durchschnitts-IQ wird sinken …
6. Schneller als klug gelten

Die intellektuelle Selektion verschärft sich. Mit jedem fanatischen Sonnenbad der sofetischen Mitmenschen brennen einige tausend Neuronen weg und begehen in der Dampfkochtopfatmosphäre der Hirnrinde Selbstmord. Die alte Sitte, seine Doktorarbeit größtenteils bei anderen abzuschreiben fällt damit weg, denn so wie die Masse an Sofeten ansteigt, so sinkt das intellektuelle Niveau – im Sommer kann man es jedes Jahr bereits pars pro toto erleben. Schon bald entspricht ein Realschulabschluss einem summa cum laude in Atomphysik und macht „Klug sein“ zu einer seltenen, aber für Nichtsofeten leicht erreichbaren Eigenheit.
Der Nachteil ist allerdings gravierend: Da sie keine sofetische Gossensprache mehr beherrschen, wird man sie nicht mehr verstehen, wenn ihr Bildungsniveau oberhalb von „Ein Bett im Kornfeld“-Schlagern liegt. Einsamkeit und Klugheit gehen somit Hand in Hand. Aber ganz ehrlich: Wann war es jemals anders?

... und wieder nichts! Deutsche Familie beim lustigen Wasserloch-Suchspiel. © <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Pit_latrine#/media/File:Arborloo_construction_in_Cap-Haitien_-_1_-_Pit_digging.jpg" target="_blank" rel="noopener">Rémi Kaupp auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener">CC BY-SA 3.0</a>
… und wieder nichts! Deutsche Familie beim lustigen Wasserloch-Suchspiel. © Rémi Kaupp auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0
7. Lustige neue Spiele verbreiten sich

Statt wie früher unbeschwert durch den Regen zu tanzen oder Schneeballschlachten zu veranstalten, spielt die Familie nun das Spiel „Wo ist das nächste Wasserloch?“, das nur möglich ist, weil durch die Austrocknung der Grundwasserspiegel sich in die Asthenosphäre zurückgezogen hat und Wasser zu finden die gleiche Wahrscheinlichkeit hat wie ein Lotto-6er. Der Umstand, dass das eigene Überleben davon abhängt, bereichert dieses Spiel mit einer spannenden Note.

Nervenkitzel pur: An der Herausforderung Schweiss/Wasser gescheitert!
Nervenkitzel pur: An der Herausforderung Schweiss/Wasser gescheitert!
8. Ungeahnter Nervenkitzel!

Herausforderungen sind kein dekadenter Zeitvertreib mehr, sondern Teil des täglichen Lebens! Früher versuchten sich Extremsportler in angeberischen und lebensgefährlichen Stuntversuchen, in Extremclimbing, in Wasserrafting mit Knochenbrechergarantie – alles nur, um den Nervenkitzel zu spüren, den man in einer dekadenten Welt sorgloser Langeweile nicht mehr verspürte.

Die neuen Herausforderungen sind ungleich härter und noch dazu gratis: Überleben Sie den Wasserkästenkauf samt Weg zum nächsten Supermarkt in einer kochenden Hitze! Retten Sie die Plastiktüte, wenn sie ihnen auf den Gehweg gefallen ist, bevor sie an den glühenden Steinen festklebt! Und den neuen Dreikampf „Trinken – Schwitzen – Sterben“: Finden Sie den besten Weg, um eine Dehydrierung zu vermeiden, wenn ihr Schweiß mit 1 Liter pro Minute emittiert, sie aber nur 0,9 Liter pro Minute trinken können! Schaffen Sie es noch wie früher nun unter hitzeerschwerten Bedingungen Sofeten mit schweren logischen Fragen so zu verwirren und zu überfordern (Was ist 3×3?), dass diese bewusstlos werden?

Kaum wieder auf der Erde nerven die Sommerfetischisten!; © danielle peña auf flickr.com, Lizenz: CC BY-SA 2.0
Neue Moralmaßstäbe räumen auf mit geheuchelter Freundlichkeit! © danielle peña auf flickr.com, Lizenz: CC BY-SA 2.0
9. Die moralische Revolution der Gesellschaft

Eine ganz neue Moral in den Kataklysmen der zusammenbrechenden Gesellschaft entsteht! Endlich wird die geheuchelte Höflichkeit der Zivilisation über Bord geworfen und von einer direkten, herzerfrischenden Ehrlichkeit und Kameradschaft ersetzt. Hier winken freundlich Plünderer einander zu und dort bejubeln einstige Polizisten kameradschaftlich enthusiastische Männer bei der Massenvergewaltigung. Und keine Folterung wehrloser Opfer erfolgt ohne stimmungshebende, frohgemute lustige Grimassen im Vorfeld.

Besuch in Hamburgs Gassen im Jahr 2043.
Besuch in Hamburgs Gassen im Jahr 2043.
10. Die persönliche Atlantisentdeckung

Nie wieder müssen Sie Stunden darüber grübeln, wo Atlantis* lag. Denn Sie wissen nun, wo ihres liegt! Nach dem Meeresspiegelanstieg durch die Klimakatastrophe können Sie ihre norddeutsche Stadt nur noch mit einem ausgiebigen Tauchgang erreichen – vorausgesetzt, sie finden einen Weg, die Schwefelwasserstoffstinkende, von jeglichem Leben und Sauerstoff befreite Ozeanplörre so lange auszuhalten, ohne sich in ihre Tauchermaske zu übergeben.

Sie sehen also: Am Ende ist alles halb so schlimm. Dabei hatten Sie sich solche Sorgen gemacht über die Klimakatastrophe und ihre Auswirkungen! Wenn Sie jetzt wider Erwarten immer noch Angstgefühle verspüren sollten, dann schließen Sie sich kurz in den Keller ein, schreien ein paar Stunden und wenn das immer noch nicht hilft, dann prügeln sie rhetorisch auf einige Sofeten in diversen Boulevardwetterportalen ein, das ist therapeutisch.
Anschließend kaufen Sie eine Überlebensausrüstung (Klappspaten* für das Wasserloch-Suchspiel nicht vergessen!), Medikamente (Beruhigungsmittel, Insektenspray*, 1000 Packungen Sonnenmilch*, Viagra* benötigen Sie NICHT wegen der Gewittersurrogatsbefriedigung), Waffen (denken Sie an die netten Plünderer, aber vergessen sie die alte Regel nicht: Wer zuletzt lacht, lacht am besten – eine Waffe hilft dabei). Sie werden es in der nicht allzu fernen Zukunft benötigen 😉




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